04.01.2010: Soziales Engagement beim Kakao-Anbau auf Forcierungskurs

Bekenntnis und Investitionen pro Nachhaltigkeit

Der Preis für den Rohstoff Kakao von derzeit umgerechnet fast 2.200 Euro je Tonne befindet sich zurzeit auf dem höchsten Niveau seit 1977. Die Gründe dafür liegen zwar auch in Ernteschwankungen der letzten Jahre. Einen deutlich stärkeren Anteil daran hat eine von Spekulationen getriebene Entwicklung, die nun auch die Rohstoffmärkte erfasst hat. Nicht nur der der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V (BDSI) wagt daher keine Prognose hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Schokoladenpreise.

Kakao1Der Kakaopreis erlebte im Jahre 2009 ungeahnte Höhen. Er ist auf den Warenterminbörsen in New York und London auf fast bis zu 2.200 Euro je Tonne gestiegen. Schuld ist eine Verlagerung des Börsengeschäftes auf Rohstoffzertifikate. Spekulanten, Banken und Fonds glauben z.Zt. auf den Rohstoffmärkten deutlich höhere Gewinne erzielen zu können als mit anderen Investments. Das niedrige Zinsniveau trägt mit dazu bei, dass auch deutsche Banken am Spekulationskarussell teilnehmen und ihren Anlegern bessere Renditen auf den Rohstoff-Märkten versprechen. Hier werden Produkte wie Rohöl, Gold und Kupfer gleichermaßen gehandelt wie Weizen, Mais, Reis, Kaffee und auch Kakao.

"Der Kakaopreis ist dieses Jahr geradezu in die Höhe geschnellt und das ist eine besorgniserregende Entwicklung", meint Dr. Torben Erbrath, Geschäftsführer der Fachsparte Schokolade im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). "Der Preis für Schokoladenprodukte blieb dagegen auf nahezu gleichem Niveau. Die Verbraucher profitieren derzeit noch vom Preiskampf im deutschen Einzelhandel und die dadurch weiterhin günstigen Preise für Schokolade. Folglich hat der durch Marktspekulationen beeinflusste hohe Kakaopreis für die Verbraucher noch keine erkennbaren Auswirkungen. Ob dies so bleibt, ist angesichts der spekulativ getriebenen Höchstpreise für Kakao aber nicht absehbar", so Dr. Erbrath. Das Angebot ist derzeit hoch, die Nachfrage ließ in diesem Jahr nach. Neuen Schätzungen zufolge wird die Ernte im Hauptanbauland Elfenbeinküste auf bis zu 1,4 Mio. Tonnen steigen, nach 1,2 Mio. Tonnen. im Erntejahr 08/09. Die Kakaovermahlung ging hingegen in den ersten drei Quartalen 2009 zurück, in Europa um 7,9 Prozent, in Deutschland um 9,1 Prozent.

Kakao3Sozialethisch verantwortliches Handeln gewinnt an Bedeutung

Auf der anderen Seite gewinnt sozialethisch verantwortliches Handeln rund um die Rohstoffbeschaffung spielt für die Kakao- und Schokoladenwirtschaft eine immer entscheidendere Rolle. Denn dieser Tage zollen Verbraucherforderungen nach fair gehandeltem, nachhaltig angebautem Kakao sowie CSR-Engagements diverser Süßwarenfirmen ihren Tribut. Ganz zu schweigen von aktiven Verhandlungsrunden und weltweiten Nachhaltigkeitsdialogen der Verbände und Organisationen, die Konsequenzen ausbeuterischer Anbaumethoden für die gesamte Wertschöpfungskette transparent machen. Auch die ProSweets 2010 - die internationale Zuliefermesse für die Süßwarenindustrie - steht als Diskussionsforum sowie Motor für Lösungen dieses elementaren Themas zur Verfügung. Umso erfreulicher nahm sich die Erklärung des BDSI Ende September 2009 über die Erfolge beim nachhaltigen Kakao-Anbau und bei der Umsetzung sozialethischer Ziele in den betroffenen Regionen (Westafrika, Dominikanische Republik, Ecuador, Peru, Nicaragua) aus. Seit Jahren arbeitet der BDSI gemeinsam mit nationalen und internationalen Organisationen der Kakao- und Schokoladenwirtschaft an der Aufgabe, alle Produkte aus Rohstoffen herstellen zu können, die fair und ohne Missstände angebaut, geerntet und gehandelt wurden.

Jüngstes Zeugnis für dieses Engagement auf globaler Ebene: der 2. Round-Table for a Sustainable Cocoa-Economy', der von der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) im März 2009 in Port of Spain/Trinidad & Tobago abgehalten wurde. Rund 300 Teilnehmer aus 29 Ländern, darunter Vertreter der wichtigsten Anbauländer, Regierungen, die großen Verarbeiterländer sowie zahlreiche NGOs (Nichtregierungsorganisationen) wie beispielsweise Oxfam, Rain Forest Alliance, Tropical Commidity Coalition (TCC), UTZ Certified und Free the Slaves verabschiedeten ein 12-Punkte-Programm, das u .a. Regeln, Leitlinien und Schlüsselelemente für einen nachhaltigen Kakao-Anbau ohne missbräuchliche Kinderarbeit aufstellt. Die vom BDSI unterstützte Forderung der Verbraucher, dass Kakao, der aus ausbeuterischen Anbaumethoden gewonnen wird, nichts in Schokolade zu suchen hat, sei in den betroffenen Erzeugerländern 'angekommen'. Die ICCO wird auch den 3. Round-Table organisieren, der in zwei Jahren auf Einladung der Niederländischen Regierung geplant ist.

Kakao23. Round Table 2011 in den Niederlanden
Für die deutsche Kakao- und Schokoladenindustrie sind dies bedeutsame Schritte auf dem Weg zur Verbesserung der ökonomischen Basis aller Kakaobauern und ihrer sozialen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus beteiligt sie sich auf nationaler Ebene über die Stiftung der Deutschen Kakao- und Schokoladenwirtschaft - eine Gründung der Fachsparte Schokolade, Schokoladenerzeugnisse und Kakao des BDSI und des Hamburger Vereins für Rohkakaohandel - an verschiedenen Projekten zur Förderung des Aufbaus von Kooperativen. Denn mit einem Verbrauch von 421.000 Tonnen Kakao und Kakaoerzeugnissen ausgedrückt in Nettobohnenäquivalent, zählt Deutschland (14 von der Bohne aus arbeitende Firmen) zu den weltweit größten Kakaoverarbeitern.

Zum Vergleich der Relationen: Insgesamt wurden 2008 in den Ländern der Europäischen Union laut der European Cocoa Association (ECA) 1,381 Tonnen Kakao vermahlen. Für die deutsche Industrie gehört die Elfenbeinküste, die einen Anteil von knapp 50 Prozent an den gesamten deutschen Kakaoimporten hält, neben den westafrikanischen Ländern Togo, Nigeria und Ghana zum wichtigsten Kakaolieferland. Darüber hinaus beliefern vor allem Ecuador und Papua-Neuguinea die deutsche Industrie.
Wie ernst die Kakaoverarbeiter und Schokoladeproduzenten mit dem Themenfeld soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit umgehen, das zeigen die vielfältigen Aktivitäten und Initiativen der Mitgliedsunternehmen im BDSI. Immer mehr Unternehmen erweitern z.B. ihr Produktangebot um "BIO"- oder "FairTrade"-zertifizierte Erzeugnisse. Vielfach handelt es sich dabei um Maßnahmen, die bis in die Kakaoanbauregion rund um den Erdball wirken. Gemeinschafts-Aktionen mit Nichtregierungsorganisationen (NGO´s) wie z.B. "Rainforest Alliance" oder "UTZ" sind Beleg dafür, dass CSR (Corporate Social Responsibility) in der Kakao- und Schokoladenwirtschaft kein Fremdbegriff geblieben ist sondern bereits heute den Unternehmensalltag prägen. TW
www.prosweets-cologne.de

Schwerpunkt 'ProSweets 2010' (Teil 3): Lesen Sie hier weiter...

 

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