Forum in Hannover widmet sich dem digitalen Wandel in der Lebensmittelindustrie

Next steps zur Industrie 4.0

Die digitale Transformation schreitet rasant voran. Doch haben die deutschen Lebensmittelproduzenten die Zeichen der Zeit erkannt? Wo steht die Branche gegenwärtig? An welchen Stellen gibt es den größten Handlungsbedarf? Was ist konkret zu tun? Diese und weitere Fragen beantworten die DLG und die Deutsche Messe Technology Academy im Rahmen eines Forums am 4. Juni auf dem Messegelände Hannover.

Ausgehend von der Frage "Was brauchen Lebensmittelhersteller?" werden in der Veranstaltung Lösungsansätze für den erforderlichen Schritt von der Automatisierung zur Digitalisierung thematisiert. Auch daraus resultierende Möglichkeiten, durch Datennutzung generiert, werden aufgezeigt. Ziel ist es, Lebensmittelherstellern, Anlagenbauern und auch deren Zulieferern Hilfestellung und Orientierung zu geben, um das ThemaIndustrie 4.0 in ihren Unternehmen erfolgreich umzusetzen. Das Forum richtet sich an Fach- und Führungskräfte der Lebensmittelwirtschaft, Zulieferer der Lebensmittelindustrie, Forschung und Entwicklung, Verfahrenstechnik, Anlagenbau, Automatisierer sowie Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Fachorganisationen.

Namhafte Referenten aus Praxis und Wissenschaft berichten im Rahmen des Forums über ihre Erfahrungen und geben Orientierung. Bereits kleine Veränderungen an Maschinen und Prozessen reichen oft schon aus, um auf die digitale Zukunft vorbereitet zu sein. So beleuchten Annika Naciri und Prof. Dr.-Ing. Matthias Weiß von der Hochschule Hannover systematisch die aktuellen und perspektivischen Einsatzvarianten für Robotik über die gesamte "Supply Chain" der Lebensmittelherstellung hinweg.

Wie weit Industrie 4.0 im Mittelstand bereits vorangeschritten ist, erläutert Prof. Gerrit Sames von der Technischen Hochschule Mittelhessen, die eine Online-Befragung bei 868 Unternehmen vornehmlich im Mittelstand durchgeführt hat; 155 Teilnehmer haben sich beteiligt. „Im Gegensatz zu vielen eher allgemeinen Erhebungen zur Bedeutung von Industrie 4.0 haben wir uns bewusst auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen konzentriert und 41 Prozesse aufgezeigt, für die Technologien und Lösungen bekannt und vorhanden sind“, so Sames. Der Vortrag stellt die wichtigsten Ergebnisse vor. Von der Beschaffung, über die Logistik bis hin zum Verkauf: Standards sorgen für eine effi zientere und transparentere Wertschöpfungskette. Mit der digitalen Transformation gewinnen sie für alle Bereiche moderner Geschäftsprozesse weiter an Gewicht. Mayra Castellanos von GS1 Germany zeigt, wie Unternehmen die GS1 Standards als ihren Schlüssel zum Internet of Things in der Lebensmittelproduktion nutzen können.

Die Achillesverse der Branche

Wenn klar ist, in welcher Geschwindigkeit die Umstellung erfolgen soll, ergeben sich vielfältige Fragestellungen. Wie unterscheiden sich heutige Prozesse, Verantwortlichkeiten und Transparenz im Unternehmen zu den Anforderungen von Industrie 4.0? Welche Rolle kommt Führungskräften bei der Digitalisierung zu? Antwort auf diese Frage liefert Michael Gebauer, Inhaber der Hamburger Personalberatung Vitalente. Er legt dar, wie sich die heutigen Prozesse und Verantwortlichkeiten im Unternehmen von den künftigen unterscheiden und gibt Empfehlungen für die "next steps" auf der Roadmap zu Industrie 4.0. Bei all diesen Aspekten darf eines nicht vergessen werden: Obwohl die Anlagen in der Lebensmittelindustrie schon seit Jahrzehnten fortschreitend automatisiert werden, vollzieht sich aktuell durch die digitale Vernetzung und den Einsatz autonom agierender Algorithmen eine tiefgreifende Veränderung der Prozesse. „Die Informationssicherheit ist deshalb die Achillesverse der gesamten Branche“, betont Prof. Dr.- Ing. Peter Fröhlich von der Technischen Hochschule Deggendorf. In Hannover zeigt er auf, dass die Cyber-Security in automatisierten Anlagen eigenen Regeln folgt. Was passiert, wenn frei zugängliche Angriffswerkzeuge und die Schwachstellen typischer Prozesssteuerungen aufeinandertreffen? Unerkannte Manipulationen an Prozessen oder auch "nur" an Track&Trace- Daten bergen gerade ein hohes Risiko – bis hin zu Gefahr für Leib und Leben und kaum zu beziffernde Reputationsschäden. Daraus erwächst wiederum eine Motivation für kriminelle Akteure und ihre erpresserischen Machenschaften. Die Stabilität und Integrität der Prozesse kommen als kritische Faktoren hinzu. Leider seien die heutigen Automatisierungssysteme nur „unzureichend gegen manipulative Eingriffe geschützt und in der Regel auch schwer zu schützen, weil sie dafür nicht entwickelt wurden“, so der Experte. In Hannover will Fröhlich die Teilnehmer aber nicht in Schockstarre zurücklassen, sondern praktikable umsetzbare sowie bereits bewährte Vorgehensweisen und Lösungsansätze für wirksame Cyber-Security in der Lebensmittelindustrie aufzeigen.


Titel LT
lupe

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