Walter Rau setzt auf eine effektive und platzsparende Pulverisierung mittels Stickstoff

Vom flüssigen Fett zum Pulver

Die Walter Rau Neusser Öl und Fett AG ist ein gesundheitsorientierter Hersteller von qualitativ hochwertigen Fetten und Ölen. Bei der Entwicklung für die Lebensmittelindustrie wird besonders viel Wert auf die optimale Funktionalität der Produkte gelegt. Mit modernsten Verfahren werden ausgewählte pflanzliche Rohstoffe zu hochwertigen funktionellen Ölen und Fetten veredelt. Der Cryo Cristilliazier Powder von Air Liquide ist dabei ein wichtiger Baustein für die Produktion.

Die Pulverisierung mittels Versprühen von Flüssigkeiten ist bei der Verarbeitung von flüssigen Fetten ein geeignetes Verfahren, um bei den produzierten Zutaten optimale Produkteigenschaften für die Weiterverarbeitung zu erzielen. Nach dem Versprühen des flüssigen Fettes wird es mittels Kühlung mit tiefkaltem Stickstoff schlagartig kristallisiert. Besonders Stoffe mit einem hohen Schmelzpunkt (oberhalb von 30 Grad Celsius, sogenannte "high melting point liquides" (HMPLs), eignen sich gut für diese Anwendung. Dazu gehören auch Emulgatoren oder Wachse. Sie sind in Pulverform weit besser zu verarbeiten als im flüssigen Zustand, da während der anschließenden Verarbeitung keine Erwärmung notwendig ist.

Experte für funktionelle Öle und Fette

Mittlerweile existieren eine ganze Reihe von Rezepturen, die mit dem Cryo Cristilliazier Powder (CC-P) produziert werden.Der Anwendungsbereich spezialisiert sich dabei auf das B2B-Lebensmittelsegment. Das pflanzlich basierte Fettpulver wird als Beschleuniger beziehungsweise Kristallisationsstarter für Füllungen, Glasuren, Aufstrichmassen oder Margarinen eingesetzt. Es hilft dabei, Kristallgitter zu bilden und verhindert so die Abtrennung der Ölphase im Produkt, das sogenannte Ausölen. Zusätzlich findet das Pulver in Trockenmischungen für Fertigprodukte, Backmischungen und Fertigmehle Anwendung und trägt zur Verkapselung von Substanzen wie Kochsalz bei.

Die Kristallisation im CC-P von Air Liquide erfolgt in einem isolierten kleinen Sprühturm. Zu Beginn des Prozesses wird das Produkt aufgeschmolzen und flüssig in die Anlage gepumpt. Dabei kann die Eingangstemperatur bis zu 150 Grad Celsius betragen, abhängig vom Schmelzpunkt der jeweiligen Substanz. Im oberen Teil des CC-P wird das flüssige Produkt eingespeist und zerstäubt. Im nächsten Schritt werden die entstandenen Tröpfchen gekühlt und in Pulver umgewandelt. Dazu wird flüssiger Stickstoff in die Anlage eingebracht. Durch verschiedene Einrichtungen innerhalb des Sprühturms wird ein effizienter Wärmeübergang sichergestellt, so dass die Kristallisierung des Fettes am Ende des Prozesses abgeschlossen ist.

Zu Beginn des Kristallisationsprozesses wird das Produkt aufgeschmolzen, in den Cryo Cristilliazier Powder gepumpt und zerstäubt. Im nächsten Schritt werden die Tröpfchen mittels flüssigem Stickstoff in Pulver umgewandelt. © AirLiquide

Dank verschiedener Sprühdüsen und anderer Prozessparameter lassen sich Partikelgrößen von 60 Mikrometern bis 800 Mikrometern herstellen. Mit Hilfe einer Zellenradschleuse wird das Pulver aus dem CC-P befördert und auf eine Verpackungsmaschine geführt. Großer Vorteil dabei: Das Produkt weist eine stabile Kristallstruktur auf und kann bei Umgebungstemperatur gelagert werden. Eine weitere Kühlung ist deshalb nicht nötig. Das Stickstoffabgas wird über einen Zyklon und Filter geleitet, um Stäube abzuscheiden und dann über eine Lüftung nach Außen geführt.

Lösung für die Produktion von Pulverfett

Mit dem Cryo Cristilliazier Powder bietet Air Liquide seinen Kunden eine effektive und platzsparende Alternative zu bisher üblichen Anlagen für die Pulverherstellung an. Ursprünglich wurde die Fettkristallisation mit Hilfe von großen Sprühkühltürmen realisiert. Dank des geringen Platzaufwandes, bei einer Größe von zwei x vier x drei Metern, lässt sich der CC-P als kostengünstige Alternative einfach in bestehende Produktionen integrieren. Mit einer Leistung von bis zu 1.000 Kilogramm pro Stunde ist die Anlage sehr effizient. Der durchschnittliche Verbrauch von flüssigem Stickstoff liegt zwischen 0,9 und 1,1 Kilogramm pro Kilogramm des zu pulverisierenden Produkts.

Die Parameter der FCU können den individuellen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens angepasst werden. Einer der Vorteile der Technologie ist, wie Klaus Arntz, Industrial Operations Director bei Walter Rau, erklärt, „die hohe Leistung der Anlage auf sehr kleinem Raum. Erst dadurch wurde es für uns möglich, die Fettpulver inhouse wirtschaftlich zu produzieren.” Speziell dort, wo die Verarbeitung von Fett in Blockform nicht funktioniert, bietet pulverisiertes Fett durch eine bessere Dosierung, Verteilung und schnelleres Aufschmelzen des feinen Pulvers Verarbeitungsvorteile. Perfekt auf den Verwendungszweck abgestimmt ist das Fettpulver in verschiedenen Varianten erhältlich und orientiert sich in seiner Einsatzmenge sowie den Bedingungen der genutzten Applikationen und Verfahren. Die Walter Rau AG bietet zum Beispiel unter anderem trans-fettsäurefreies (Restgehalte unter zwei Prozent), ausgehärtetes oder ungehärtetes Fettpulver an sowie eine Auswahl an pflanzlichen Basen mit unterschiedlichem Schmelzpunkt.


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