10.02.2011: Plattform für Hygienic Design

Die 'European Hygienic Engineering & Design Group' im Porträt

Die 'European Hygienic Engineering & Design Group', kurz EHEDG, besteht seit über 20 Jahren und nimmt in Europa eine Vorreiterrolle beim Thema Hygienic Design ein. In zahlreichen Leitlinien definiert sie Kriterien für eine reinigungsfreundliche Anlagenkonstruktion und zertifiziert Bauteile, die diesen Anforderungen gerecht werden. Das ursprüngliche Ziel der EHEDG ist jedoch in all den Jahren gleich geblieben: Sichere Lebensmittel durch konstruktive Verbesserung der Produktionsanlagen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1989 - als privater Zusammenschluss von Maschinenbauern, Unternehmen der Lebensmittelindustrie, Forschungsinstituten sowie staatlichen Gesundheitsbehörden - hat sich die EHEDG stark entwickelt und an Internationalität gewonnen. Nicht nur die Anzahl der Mitglieder ist gestiegen. Auch die Kompetenz in der Gruppe ist deutlich angewachsen. Durch die heterogene Zusammensetzung der über 20 EHEDG-Arbeitsgruppen gelingt es, die Wissenslücke zwischen Lebensmittelproduktion, Maschinenbau und Forschung zu schließen. Auf allen Seiten sitzen Experten, die sich vor allem mit den Problemen rund um die Reinigung, Desinfektion sowie das Hygienic Design von Komponenten und Anlagen beschäftigen und nach Lösungen suchen.

EHEDGDer Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Diskussion führen zu fundierten aber auch praktikablen Lösungsvorschlägen. Diese sind in Leitlinien veröffentlicht, die regelmäßig aktualisiert und in die jeweiligen Sprachfassungen übersetzt werden und in entsprechende Seminarangebote einfließen. Darüber hinaus bilden die Leitlinien die Basis für die Zertifizierung von Komponenten und Bauteilen, die in der Lebensmittelproduktion eingesetzt werden. Zurzeit sind 40 Leitlinien, sogenannte Guidelines, veröffentlicht, die sich um die verschiedensten Aspekte der reinigungsfreundlichen Gestaltung kümmern und sich der hygienischen Produktion von Lebensmitteln widmen. Sie sind in verschiedenen Sprachen (Übersetzungen) erhältlich.

Der neue Webshop der EHEDG ermöglicht den schnellen und einfachen Bezug der Veröffentlichungen. Der Webshop wird regelmäßig aktualisiert und durch neue bzw. überarbeitete Richtlinien in verschiedenen Sprachfassungen ergänzt. Darüber hinaus werden die Zusammenfassungen der Guidelines auf den Internet-Seiten der EHEDG publiziert. Neben den allgemeingültigen Leitlinien gibt es eine Reihe spezieller Themen, die in separaten Guidelines abgehandelt wurden. Parallel zu den bereits existierenden befindet sich zurzeit eine Reihe neuer Leitlinien in der Entwicklung.

Allgemeine Leitlinien (Beispiele):
Doc. 8, 'Hygienic equipment design criteria'
Doc. 10, 'Hygienic design of closed equipment for the processing of liquid food'
Doc. 13, 'Hygienic design of equipment for open processing'
Doc. 22, 'General hygienic design criteria for the safe processing of dry particulate materials'
Doc. 32, 'Materials of construction for equipment in contact with food'

Spezielle Leitlinien (Beispiele):
Doc. 14, 'Hygienic requirements of valves for food processing'
Doc. 32, 'Materials of construction for equipment in contact with food'
Doc. 16, 'Hygienic pipe couplings'

Zertifikate als Entscheidungshilfe
Als Entscheidungshilfe für Anlagenbauer oder Lebensmittelhersteller zur Auswahl reinigungsfreundlicher Komponenten dienen vor allem die Zertifizierungen der EHEDG. Am Anfang des Zertifizierungsprozesses im Jahr 2000 standen Bauteile des Typs 'EL' (equipment for liquid use). Vor zwei Jahren wurde damit begonnen, das Konzept zu erweitern. Dabei rückten die Unterschiede im Einsatz der Komponenten im Zertifikat in den Vordergrund und werden mit ausgelobt. Inzwischen stehen insgesamt vier Zertifikate zur Auswahl. So entspricht der frühere Typ 'EL' jetzt dem Typ 'EL class I'. Dabei handelt es sich um Bauteile die CIP-('Cleaning in Place')-fähig sind.
Daneben können auch Bauteile zertifiziert werden, die für die Reinigung zerlegt werden müssen (Typ 'EL class II'), Komponenten für den Sterilprozess (Typ 'EL aseptic') oder Bauteile die nur trocken gereinigt werden dürfen (Typ 'ED'). Für ausführliche Informationen zum Ablauf der Zertifizierung sowie den zugrunde liegenden Anforderungen an die Bauteile sei an dieser Stelle noch einmal auf die Internetseite der EHEDG verwiesen. Hier ist auch eine Liste aller zertifizierten Bauteile veröffentlicht.

Weltweite Zusammenarbeit
Die EHEDG, ursprünglich eine europäische Organisation, ist zu einer weltweit agierenden Institution gewachsen. Durch Mitglieder aus vielen Ländern im Mittleren und Fernen Osten, USA und Südamerika, Asien und Australien ist ein flächendeckendes Netzwerk entstanden. Gegenwärtig zählt die EHEDG rund 700 Mitglieder und über 100 Mitgliedsfirmen, wobei täglich neue Interessenten begrüßt werden. Regionale Ländergruppen wurden und werden aufgebaut, welche die Aufgaben haben, die Leitlinien in die jeweiligen Sprachen zu übersetzen, Schulungen abzuhalten und den Kontakt zu den nationalen Behörden zu pflegen. Weiterhin dienen sie als Multiplikator in den einzelnen Ländern und zur Verbreitung des Wissens zum Thema Hygienic Design. Im Rahmen dieser Internationalisierung kooperiert die EHEDG mit global tätigen Organisationen und Normungsgesellschaften, wie der 3A oder der 'Bioprocess Equipment Group' der ASME (American Society of Mechanical Engineers) in den USA.
Bei all diesen Aktivitäten ist das Ziel klar definiert: Es gilt, die Nahrungsmittelproduktion so sicher und sauber wie möglich zu machen. Um dies zu erreichen, bietet die EHEDG Schulungen für Ingenieure, Qualitätsbeauftragte, Gutachter, Marketing- und Vertriebsmanager sowie Bedien- und Wartungspersonal an. In deutscher Sprache wird u.a. in Zusammenarbeit mit der Hygienic Design Akademie Weihenstephan eine Vielzahl an Spezialschulungen sowie Grundlagenworkshops angeboten. Mitglied in der EHEDG zu sein, bedeutet zum einen, den Zugang zu Wissen und Experten zu haben. Es bedeutet zum anderen aber auch, dass man Teil des Fortschritts in der Lebensmittelproduktion ist und in die Lage versetzt wird, diesen aktiv zu beeinflussen. Dr. Jürgen Hofmann
www.ehedg.org


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