© Mareike Bähnisch
Die ISM Manufacturing führt die Kompetenzen der ProSweets Cologne fort. Im Mittelpunkt stehen technische Lösungen für die Süßwaren- und Snackproduktion sowie der fachliche Austausch.
© Koelnmesse
Guido Hentschke verantwortet seit 2021 als Director die ProSweets Cologne, die künftig als ISM Manufacturing fortgeführt wird. Zudem leitet er die ISM Ingredients. Ab November übernimmt er zusätzlich die ISM Snacks & Sweets und ist damit für die gesamte ISMMarkenfamilie verantwortlich.

DREI MESSEN, EINE MARKE

Ab 2027 bündelt die Koelnmesse Zutaten, Fertigprodukte sowie Produktions- und Verpackungstechnik unter einer gemeinsamen ISM-Dachmarke. Im Interview erläutert Guido Hentschke, was hinter der Neuausrichtung steckt, wo Künstliche Intelligenz bereits industriell einsetzbar ist – und wie sich das neue Trio von der Anuga FoodTec abgrenzt.

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Herr Hentschke, 2027 treten ISM Snacks & Sweets, ISM Manufacturing und ISM Ingredients unter einer Dachmarke auf. Was steht hinter dieser Neuausrichtung?

Die Bereiche der Süßwaren- und Snackindustrie greifen immer stärker ineinander. Neue Ingredients beeinflussen Rezepturen und Produktionsprozesse, neue Technologien eröffnen Möglichkeiten für Produktinnovationen. Viele Herausforderungen lassen sich nicht mehr isoliert betrachten. Mit dem ISM-Messetrio schaffen wir spezialisierte Angebote und einen Ort, an dem diese Kompetenzen zusammenkommen. Jedes Format hat ein klares Profil. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel entlang der Wertschöpfungskette.

Mit der ProSweets Cologne verschwindet ein etablierter Name. Was ändert sich mit der ISM Manufacturing über den Markenauftritt hinaus?

Die ProSweets Cologne hat sich seit 2006 als Plattform für die Zulieferindustrie der Süßwaren- und Snackbranche etabliert. Diese Kompetenz bleibt mit der ISM Manufacturing erhalten. Der neue Name macht die Rolle der Produktion innerhalb der ISM-Markenwelt deutlicher sichtbar. Das Messeformat verändert sich nicht grundlegend, wird aber stärker in das ISM-Portfolio eingebunden. Das zeigt sich im gemeinsamen Markenauftritt, einer zentralen Website, einem Ticket-Shop und einer Messe-App. Von unseren Ausstellern haben wir durchweg positive Rückmeldungen erhalten.

„Viele Herausforderungen in der Süßwarenbranche lassen sich nicht mehr isoliert betrachten.“
 

Und wie wird das Rahmenprogramm auf die drei Formate abgestimmt?

Das Vortrags- und Diskussionsprogramm erhält mit der Talks & Tasting Stage eine Bühne. Neue Formate wie der AI Hub und die Connect Lounge by ISM Manufacturing sollen den Austausch zwischen den Bereichen fördern.

Wie sollen Produktions- und Verpackungstechnik, Verpackungsmaterialien sowie Betriebs- und Hilfstechnik künftig enger zusammenwirken?

Wir wollen die vier Bereiche stärker als zusammenhängendes Produktionssystem betrachten – von flexibler Produktion und integrierter Verpackungstechnik bis zu ressourcenschonenden Materialien und zuverlässiger Betriebs- und Hilfstechnik. Entscheidend sind die Schnittstellen zwischen Rezeptur, Verarbeitung, Verpackungsmaterial und Maschinenleistung. Anwendungsbezogene Formate und der fachliche Austausch sollen helfen, bereichsübergreifende Lösungen zu finden.

Welche Teile der Wertschöpfungskette deckt die ISM Manufacturing ab?

Die ISM Manufacturing umfasst Rohstoffhandhabung und -aufbereitung, Verarbeitung, Verpackung, Automatisierung und Qualitätssicherung sowie unterstützende Technik. Die ISM Ingredients ergänzt das Angebot um Zutatenkompetenz, die ISM Snacks & Sweets um die Markt- und Fertigproduktperspektive.

Wie wird „From Processing to Performance“ vor Ort erlebbar? Werden auch durchlaufende Prozessketten gezeigt?

Wir wollen den messbaren Produktionsnutzen der Technologie verdeutlichen – bei Qualität, Anlagenverfügbarkeit, Umrüstzeiten und Ressourceneffizienz. Maschinenpräsentationen, Anwendungsdemonstrationen und Praxisbeispiele sollen das Zusammenspiel der Prozessschritte zeigen. Ob Maschinen laufen, hängt von den Ausstellern und den technischen Rahmenbedingungen ab. Vollständig durchlaufende Produktionsketten können wir nicht pauschal zusagen. Hinzu kommen digitale und KI-gestützte Anwendungen zur Produktionsoptimierung.

Hohe Taktraten und häufige Produktwechsel prägen die Süßwarenproduktion. Welche KI-Anwendungen stehen auf dem ISM-Messetrio im Mittelpunkt?

Mit dem AI Hub in Halle 4.1 erhält Künstliche Intelligenz erstmals eine eigene Plattform. Dort zeigen wir praxisnahe Anwendungen für die Süßwaren- und Snackbranche – von Produktentwicklung und Produktionsplanung über Qualitätssicherung bis zur Abfallvermeidung und zum Verpackungsdesign.

„Selbstoptimierende Prozessketten sind stark projektspezifisch und teilweise erst im Pilotstadium.“
 

Neue Rezepturen müssen Rohstoffeigenschaften und sensorische Qualität berücksichtigen, häufige Umrüstungen kosten Zeit. Wie kann KI hier helfen?

In der Produktentwicklung lassen sich Rezepturdaten, Rohstoffeigenschaften und sensorische Bewertungen zusammenführen, um Rezepturvarianten gezielter zu entwickeln. In der Produktionsplanung können Aufträge, verfügbare Linien und Produktionsreihenfolgen besser aufeinander abgestimmt werden. Dadurch lassen sich Umrüstungen, Reinigungen und Stillstände reduzieren und Ressourcen effizienter einsetzen.

Welche zusätzlichen Möglichkeiten eröffnet KI für die Inline-Qualitätssicherung?

Dazu gehört die KI-gestützte Erkennung von Form-, Farb- oder Verpackungsabweichungen. Auch die frühzeitige Erkennung von Prozessabweichungen sowie die Vermeidung von Ausschuss und Überproduktion spielen eine Rolle. Die Produktvielfalt, schwankende Rohstoffeigenschaften und hohe Taktraten erschweren allerdings die Übertragung digitaler Modelle auf andere Produkte. Entscheidend ist für uns, den konkreten Nutzen dieser Technologien für die industrielle Praxis sichtbar zu machen.

Laut Bitkom setzen bereits 40 Prozent der befragten größeren Industrieunternehmen KI in der Produktion ein. Was ist in der Süßwarenindustrie etabliert?

Etabliert sind digitale Rezepturverwaltung, klassische Prozessregelung, automatische Inspektion und Rückverfolgbarkeit. Auch KI-gestützte Bildprüfung ist für klar definierte Aufgaben industriell einsetzbar. Bei anderen Anwendungen muss man differenzieren: Zustandsüberwachung ist noch keine vorausschauende Ausfallvorhersage. Predictive Maintenance benötigt geeignete Daten und klar beschriebene Fehlerbilder. Rezepturübergreifende, selbstoptimierende Prozessketten sind dagegen stark projektspezifisch und teilweise im Pilotstadium.

Was bietet das Rahmenprogramm jenseits der Messestände?

Auf der Talks & Tasting Stage in Halle 5.2 bündeln wir ab 2027 die bisherigen Programme der Talks & Tasting Stage und der Expert Stage. Branchenfachleute, Knowledge Partner und Unternehmen beleuchten Ingredients, Produktion, Konsum- und Markttrends sowie Innovationen. Interaktive Tastings machen neue Zutaten, Rezepturen und Geschmackskombinationen unmittelbar erlebbar.

Und wo können Produktionsverantwortliche konkrete technische Fragen diskutieren?

Dafür bieten sich der AI Hub und die Connect Lounge by ISM Manufacturing an. Im gemeinsam mit der DLG geplanten AI Hub ergänzen Beratungsangebote, Vorträge und Panels die Best Practices zum Einsatz von KI. Die Connect Lounge bringt Fachleute aus Produktentwicklung, Ingredients, Produktion, Technik und Verpackung zusammen, um Produktideen zu bewerten, technische Anforderungen zu diskutieren und deren Machbarkeit frühzeitig zu prüfen.

„Interaktive Tastings machen neue Rezepturen und Geschmackskombinationen unmittelbar erlebbar.“
 

Die ISM Ingredients ist seit 2026 eigenständig. Was hat die Premiere gezeigt – und was nehmen Sie für die zweite Ausgabe mit?

Die Premiere hat gezeigt, dass die Branche einen großen Bedarf an einer eigenen Ingredients-Plattform hat. Die Anmeldungen von Barry Callebaut und Bühler zur zweiten Ausgabe unterstreichen das. Für 2027 wollen wir das Profil schärfen und Zutatenangebot, Produktinnovation und persönlichen Austausch enger verbinden.

Wie werden aus neuen Zutaten konkrete Produktideen – und wo lässt sich das auf der Messe erleben?

Diesen Ansatz greifen Barry Callebaut und Bühler auf ihren Messeständen auf. Barry Callebaut lädt etwa zu einer Geschmacksreise ein und präsentiert Produktkonzepte zu aktuellen Ernährungstrends. Anwendungsbezogene Rundgänge und Innovationsformate greifen zudem Reformulierung, Textur, Geschmack, Funktionalität und industrielle Umsetzbarkeit auf.

Weniger Zucker, mehr Ballaststoffe und alternative Rohstoffe: Welche Entwicklungen bestimmen die ISM Ingredients 2027?

Im Fokus stehen Reformulierung, alternative Rohstoffe, funktionelle Zutaten und natürliche Farben. Neben Zuckerreduktion und Ballaststoffanreicherung geht es um eine breitere Rohstoffbasis für widerstandsfähigere Lieferketten. Neue Zutaten müssen dabei auch in Geschmack, Textur und industrieller Verarbeitung überzeugen.

Wo können Besucher diese Entwicklungen konkret erleben – und auch probieren?

Die von der Zukunftsagentur Haute Innovation kuratierte Special Show Ingredients widmet sich alternativen Proteinen, Fermentation und nachhaltigen Rohstoffen. Start-ups zeigen dort marktfähige Konzepte mit neuen Technologien und funktionellen Inhaltsstoffen, etwa im Bereich Longevity. Auf der Talks & Tasting Stage beleuchten „Chocolate Futures“ und „Plant-Based Innovation Tasting“ die Zukunft der Schokolade und pflanzliche Produktinnovationen.

Mit der Anuga FoodTec folgt drei Wochen später die nächste Technikmesse. Wo verläuft die Trennlinie zur ISM Manufacturing?

Die ISM Manufacturing konzentriert sich auf die Produktionsanforderungen der Süßwaren- und Snackindustrie. Ihr Mehrwert liegt in der direkten Verbindung zu Zutatenanbietern und Herstellern von Fertigprodukten im ISM-Messetrio. Die Anuga FoodTec dagegen ist branchenübergreifend aufgestellt und erschließt Technologien für die gesamte Lebensmittel- und Getränkeproduktion.


Das Gespräch führte LT-Chefredakteur Thomas Wiese.

Diesen Artikel finden Sie in LT 11/2026 auf den Seiten 24 bis 25.

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