© Frank Reinhold / KHS
Das Verpackungsspektrum von Rhodius umfasst Dosen sowie Aluminium-, Glas- und PET-Flaschen.
© Frank Reinhold / KHS
KHS-Projektleiter Gerd Bodenheimer (links) in der Produktionsanlage von Rhodius Mineralquellen in Burgbrohl.
© Frank Reinhold / KHS
Im KHS Innofill Glass DNRF werden die Aluminiumflaschen bodennah befüllt, um den Sauerstoffeintrag zu begrenzen.
© Frank Reinhold / KHS
Hannes Tack, geschäftsführender Gesellschafter von Rhodius Mineralquellen, mit einer wiederverschließbaren Aluminiumflasche.
© Frank Reinhold / KHS
Abgefüllte Aluminiumflaschen von Rhodius werden für den anschließenden Transport in Gebinden zusammengefasst.
© Frank Reinhold / KHS
Ein Vakuumtransportsystem des KHS-Partners H. F. Meyer befördert die leeren Aluminiumflaschen aus dem Untergeschoss zur Abfülllinie.

KHS RÜSTET DOSENLINIE FÜR ALUMINIUMFLASCHEN UM

Rhodius Mineralquellen hat gemeinsam mit KHS eine bestehende Dosenlinie am Standort Burgbrohl für die Abfüllung wiederverschließbarer Aluminiumflaschen erweitert. Der Umbau erfolgte innerhalb von neun Monaten während des laufenden Betriebs. Die im Juli 2026 in Betrieb genommene Anlage erreicht nach Angaben von KHS eine Leistung von bis zu 50.000 Behältern pro Stunde. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Langrohrfüller sowie neue Abräum-, Etikettier- und Inspektionstechnik.

Seite 1/1 4 Minuten

Seite 1/1 4 Minuten

Mit der neuen Abfülltechnik erweitert Rhodius Mineralquellen und Getränke sein Verpackungsangebot um Aluminiumflaschen mit Schraubverschluss. Nach Angaben von KHS handelt es sich um die erste Hochleistungslinie für dieses Behälterformat in Deutschland. Während die sogenannten Alu-Bottles in Japan bereits seit vielen Jahren auf dem Markt sind, haben sie sich in Europa bislang kaum verbreitet.

Für den Getränkeproduzenten und Lohnabfüller eröffnet das Format zusätzliche Möglichkeiten bei der Entwicklung und Vermarktung von Getränken. Die Aluminiumflaschen verbinden die Wiederverschließbarkeit herkömmlicher Flaschen mit den Materialeigenschaften von Aluminiumdosen. Anwendungspotenzial sieht Rhodius insbesondere bei trinkfertigen Getränken wie Functional Drinks, aromatisiertem Wasser und Energydrinks.

„Viele Marken sind auf der Suche nach hochwertigen Alternativen, die sich in bestehende Kreislaufsysteme integrieren lassen und mit denen sie sich am Point of Sale vom Wettbewerb abheben können“, erklärt Hannes Tack, geschäftsführender Gesellschafter von Rhodius Mineralquellen. Die neuen Aluminiumflaschen könnten nach seiner Einschätzung insbesondere für entsprechende Trendgetränke interessant sein.

Bei der Umsetzung setzte Rhodius erneut auf KHS. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit 1970 zusammen. Der Getränkehersteller betreibt mittlerweile sechs KHS-Linien, davon drei für Dosen sowie jeweils eine für Keg-, Glas- und PET-Behälter. Neben eigenen Produkten füllt Rhodius unter anderem Getränke der Marken Bluna und afri cola ab.

Anlagenplanung unter beengten Platzverhältnissen

Als Rhodius 2025 die Einführung der wiederverschließbaren Aluminiumflaschen plante, stand die Integration in eine bestehende Produktionslinie im Vordergrund. Die neue Abfülltechnik sollte möglichst ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebs installiert werden. Gleichzeitig waren die Platzverhältnisse am Standort Burgbrohl begrenzt. Für Planung, Umbau und Inbetriebnahme standen rund neun Monate zur Verfügung.

Um eine geeignete Lösung zu finden, untersuchte KHS zunächst unterschiedliche Möglichkeiten der Anlagenintegration. Dabei wurden vorhandene Produktionslinien und die erforderlichen zusätzlichen Maschinen berücksichtigt. Eine wichtige Grundlage bildete die dreidimensionale Anlagenplanung.

„Zu Beginn des Projektes haben wir viele Szenarien durchgespielt und die neue Verpackung gedanklich in verschiedene Linien integriert“, berichtet KHS-Projektleiter Gerd Bodenheimer. Mithilfe der digitalen Planung konnten unterschiedliche Aufstellungen der Maschinen untersucht, bestehende Aggregate versetzt und mögliche Neumaschinen in die Anlagenkonzepte einbezogen werden.

Die Entscheidung fiel schließlich auf eine bereits produzierende KHS-Dosenlinie. Für deren Erweiterung investierte Rhodius in neue Abräum-, Füll-, Etikettier- und Inspektionstechnik. Dabei waren sowohl die unterschiedlichen Eigenschaften der Getränkebehälter als auch die vorhandene Infrastruktur zu berücksichtigen.

Langrohrfüller begrenzt den Sauerstoffeintrag

Eine Besonderheit der umgerüsteten Linie ist die eingesetzte Fülltechnik. Anstelle eines klassischen Dosenfüllers entschied sich Rhodius für den KHS Innofill Glass DNRF, einen Langrohrfüller, der für die Verarbeitung der Aluminiumflaschen eingesetzt wird.

Bei diesem Verfahren gelangt das Getränk über ein langes Füllrohr bis knapp über den Boden des Behälters. Die bodennahe Befüllung soll den Sauerstoffeintrag während des Füllvorgangs begrenzen.

„Wir haben uns bewusst für einen Langrohrfüller entschieden. Das Langrohr bringt das Getränk schonend knapp über dem Behälterboden ein, verdrängt den Sauerstoff nach oben und sorgt so für optimale Sauerstoffwerte im Produkt“, erläutert Thomas Hüser aus dem Technischen Vertrieb von KHS.

Der Innofill Glass DNRF arbeitet mit volumetrischer Durchflussmessung. Dadurch lässt sich die abgefüllte Getränkemenge über den Volumenstrom erfassen. Nach Angaben von KHS ist die Maschine für ein breites Spektrum unterschiedlicher Getränke geeignet. Für Rhodius ist dies insbesondere mit Blick auf die Lohnabfüllung relevant, bei der wechselnde Produkte und unterschiedliche Rezepturen verarbeitet werden.

Zentrale Behälteranlieferung und Vakuumtransport

Umfangreiche Anpassungen waren zudem bei der Zuführung der leeren Behälter erforderlich. Sowohl der bestehende als auch der neu installierte Abräumer KHS Innopal AS 1 HZ wurden in das Untergeschoss der Produktionshalle verlegt. Im Zuge des Umbaus entkoppelte KHS außerdem zwei Dosenfüller voneinander.

Durch die veränderte Maschinenanordnung können die leeren Dosen und Aluminiumflaschen nun zentral an einer Stelle angeliefert werden. Von dort aus erfolgt die weitere Zuführung zu den jeweiligen Produktionsanlagen.

Eine besondere Herausforderung stellte der Transport der leeren Aluminiumflaschen aus dem Untergeschoss zur darüberliegenden Abfülllinie dar. Hierfür wurde ein Vakuumtransportsystem des KHS-Partners H.F. Meyer integriert. Es übernimmt die Beförderung der Behälter zwischen den beiden Ebenen.

Mit der neuen Anordnung konnte KHS die zusätzliche Behälterzuführung in die vorhandenen Produktionsstrukturen einbinden, ohne eine vollständig neue Abfülllinie errichten zu müssen.

Pfandkennzeichnung und Etikettenkontrolle

Die wiederverschließbaren Aluminiumflaschen werden bereits lackiert aus Japan angeliefert. Nach Angaben von Rhodius verfügen bislang nur wenige Hersteller über die entsprechende Produktionstechnologie. In Europa gebe es derzeit keinen Produzenten für dieses Behälterformat, erklärt Tack.

Da die Flaschen aus rechtlichen Gründen ohne deutsches Pfandlogo angeliefert werden, erfolgt dessen Applikation erst am Standort Burgbrohl. Diese Aufgabe übernimmt der KHS-Etikettierer Innoket Neo, der das DPG-Logo auf die Behälter aufbringt.

Darüber hinaus ermöglicht die Maschine eine kundenspezifische Gestaltung der abgefüllten Aluminiumflaschen durch zusätzliche Etiketten. Damit kann Rhodius unterschiedliche Marken und Produkte auf derselben Anlage verarbeiten und die Behälter entsprechend kennzeichnen.

Für die anschließende Qualitätskontrolle kommt das kamerabasierte Etiketten-Prüfsystem KHS Innocheck LIS zum Einsatz. Es überprüft, ob die Etiketten vorhanden sind und sich an der vorgesehenen Position auf dem Behälter befinden. Die Kontrolle ist damit Bestandteil des automatisierten Abfüll- und Verpackungsprozesses.

Inbetriebnahme nach neun Monaten

Die erweiterte Linie wurde im Juli 2026 in Betrieb genommen. Trotz der umfangreichen Umbaumaßnahmen und der beengten Platzverhältnisse konnte das Projekt nach Angaben der beiden Unternehmen innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens abgeschlossen werden.

„Normalerweise dauert ein Projekt in dieser Größenordnung mehr als ein Jahr. Dass wir den Umbau in neun Monaten während des laufenden Betriebs umgesetzt haben, ist eine enorme Leistung aller Beteiligten“, sagt Tack.

Um die Bediener auf den Betrieb der neuen Anlagentechnik vorzubereiten, waren Mitarbeitende von Rhodius bereits während der Montage und Inbetriebnahme eingebunden. KHS führte Schulungen unmittelbar an den Maschinen durch. Ergänzend finden Fortbildungen für die Instandhaltung statt.

Für kleinere Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten nutzt Rhodius zudem das KHS-Fernwartungssystem ReDiS. Damit stehen den Mitarbeitenden neben den Schulungen vor Ort digitale Unterstützungsmöglichkeiten für den Anlagenbetrieb zur Verfügung.

Nach Angaben von KHS hat die umgerüstete Linie ihre ursprüngliche maximale Leistung wieder erreicht und bereits erste verkaufsfähige Produkte verarbeitet. Zunächst füllt Rhodius sein eigenes Mineralwasser in Aluminiumflaschen mit einem Volumen von 400 Millilitern ab. Hinzu kommt eine Halloween-Sonderedition der Marke Bluna, die im neuen Behälterformat auf den deutschen Markt kommt.

Weitere Produkteinführungen sind für Ende 2026 vorgesehen. Darüber hinaus befindet sich Rhodius nach eigenen Angaben in Gesprächen mit nationalen und internationalen Getränkemarken über zusätzliche Abfüllprojekte.

×