HAFERSCHALEN LIEFERN PROZESSDAMPF
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Mit einem offiziellen Spatenstich haben MVV Enamic und die Rubinmühle den Bau einer neuen Biomasse-Dampfanlage am Standort Lahr in Baden-Württemberg begonnen. Die Anlage soll künftig einen Teil des für die Produktion benötigten Prozessdampfs aus Haferschalen erzeugen.
Die Rubinmühle verarbeitet in Lahr jährlich mehr als 100.000 Tonnen Getreide und gehört damit nach eigenen Angaben zu den größten Haferverarbeitern Deutschlands. Rund 30 Prozent der verarbeiteten Masse fallen als Haferschalen an. Ein Teil dieser bislang abzutransportierenden Reststoffe soll künftig direkt am Standort energetisch genutzt werden. Die neue Anlage ist für eine Erzeugungsleistung von bis zu fünf Tonnen Dampf pro Stunde ausgelegt. Dadurch sollen jährlich rund 24 Gigawattstunden Erdgas ersetzt und die fossilen Kohlendioxidemissionen um 4.800 Tonnen gesenkt werden.
Reststoff wird Energieträger
Bei der Verarbeitung von Hafer werden die äußeren Schalen vom Korn getrennt. Da sie für die Herstellung der eigentlichen Lebensmittelprodukte nicht benötigt werden, fallen sie in vergleichsweise großen Mengen als Nebenstrom an.
Durch die Nutzung in der Biomasseanlage verbleibt ein Teil dieses Reststoffs künftig im betrieblichen Kreislauf. Die Haferschalen werden zur Dampferzeugung eingesetzt und ersetzen damit Erdgas, das bislang für die Bereitstellung der Prozesswärme benötigt wurde.
„Die Rubinmühle wird seit über 300 Jahren von der Familie Rubin geleitet, da liegt Nachhaltigkeit in unserer DNA“, sagt Christopher Rubin, geschäftsführender Gesellschafter der Rubinmühle. „Somit ist es konsequent, die hier vor Ort anfallenden Haferschalen zu nutzen, um CO₂-neutral Prozessdampf zu erzeugen.“ Nach Angaben des Unternehmens reduziert sich durch die Nutzung der Reststoffe am Standort auch der Transportaufwand. Rund 500 Lastwagenfahrten pro Jahr sollen künftig entfallen. „Gleichzeitig reduzieren wir den Transportverkehr im Ort deutlich, was nochmals CO₂-Emissionen einspart. Auch für dieses Projekt setzen wir auf unseren langjährigen Partner MVV Enamic“, erklärt Rubin.
Langfristiges Contracting-Modell
MVV Enamic übernimmt im Rahmen eines langfristigen Energieliefervertrags die Planung, den Bau, die Finanzierung und den Betrieb der Biomasseanlage. Nach Abschluss der Planungsphase wurde zunächst die bisherige Dampferzeugungsanlage abgebaut. Mit dem Spatenstich beginnen nun die eigentlichen Bauarbeiten.
„Wir freuen uns sehr, dass wir diese innovative Anlage zur Nutzung von Produktionsreststoffen auf Basis einer langfristig angelegten Partnerschaft mit der Rubinmühle umsetzen dürfen“, sagt Thomas Oefelein, Leiter der Business Unit Energie Contracting bei MVV Enamic. „Damit unterstützen wir erneut einen Industriebetrieb dabei, sich sowohl nachhaltig als auch wettbewerbsfähig aufzustellen.“
Die Fertigstellung und Inbetriebnahme der Anlage sind für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Das Vorhaben wird über das Bundesprogramm „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ mit 20 Prozent der Projektkosten gefördert.
Weniger Erdgas und Transporte
Mit der neuen Dampferzeugung verbindet die Rubinmühle mehrere Ziele. Neben der Reduzierung des Erdgasverbrauchs und der fossilen Kohlendioxidemissionen soll die Nutzung der Haferschalen die Abhängigkeit von externen Energieträgern verringern.
Zugleich entfällt ein Teil der Transporte, die bislang für den Abtransport der Reststoffe erforderlich waren. Die Unternehmen rechnen mit einer Verringerung um rund 500 Lastwagenfahrten pro Jahr. Das Projekt zeigt damit, wie Nebenströme aus der Lebensmittelverarbeitung direkt am Produktionsstandort energetisch genutzt werden können. Insbesondere bei Prozessen mit einem kontinuierlichen Dampfbedarf können solche Lösungen dazu beitragen, fossile Energieträger zu ersetzen und Stoffkreisläufe stärker zu schließen.
