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Das von Gammel Engineering konzipierte Energiekonzept inklusive modernstem Technikhaus ermöglicht eine flexible Dampfversorgung.

KÄSEPRODUKTION MIT HOLZENERGIE

Die Unabhängigkeit von einzelnen Energieträgern sowie eine CO2-freie Versorgung mit Strom und Wärme gewinnen immer mehr an Bedeutung. Deshalb planen und implementieren die Ingenieure der Gammel Engineering Lösungen, die auf regionalen und regenerativen Energieträgern basieren. Beispielhaft dafür steht das Biomasse-Heizkraftwerk der Naturenergie Cham GmbH: Seit zehn Jahren sorgt es mit Energie aus Holz dafür, dass im Hauptwerk der Käserei Goldsteig nachhaltig produziert werden kann.

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Die Nebelschwaden sind abgezogen: So titelte im Frühjahr 2012 die Chamer Zeitung, nachdem die Phase der Inbetriebnahme des Biomasse-Heizkraftwerks (Bio-HKW) im Osten der Kommune abgeschlossen war. Dass das Bio-HKW endlich Wärme und Strom produzieren konnte, war für das damals ebenfalls neu geplante Nahwärmenetz der Kreisstadt im Bayerwald sehr wichtig: Seither können die Stadtwerke unter anderem Behörden, Schulen, das Freibad und auch Privathäuser mit nachhaltiger Holzenergie aus Hackschnitzeln der Gegend sicher versorgen. Das Bio-HKW gewinnt aus etwa 40.000 Tonnen regional gewonnenen Hackschnitzeln pro Jahr um die 100 Millionen Kilowattstunden Wärme und bis zu 25 Millionen Kilowattstunden Strom.

Rund 20 Millionen Euro hat die Errichtung des Bio-HKW Anfang der 2010er Jahre gekostet. Ein großer Investitionsfaktor war dabei die damals modernste Filteranlage am Markt. Seit der Inbetriebnahme wurden 1,3 Kilowattstunden Wärme/Dampf und 160 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Dadurch konnte die bisherige Verbrennung von rund 170 Millionen Litern Heizöl vermieden werden. Jährlich reduziert sich der CO2-Ausstoß an die Luft auf diese Weise um die 50.000 Tonnen.

„Mithilfe dieser regenerativen Energie, die aus regionalem Holz stammt, wird die Wertschöpfung in Cham auf einem hohen Niveau gehalten“, berichtet Michael Gammel, Geschäftsführer der Gammel Engineering GmbH. „Zudem ließ sich auf diese Weise die Luft in der Kreisstadt durch das Wärmenetz noch sauberer als zuvor gestalten: Zwei Ziele, die sich der Stadtrat einst gesetzt hatte, und die durch die Naturenergie verwirklicht wurden.“ Heute deckt das Naturholz-Heizkraftwerk mit heimischen Hackschnitzeln 98 Prozent des Wärmebedarfs im Wärmenetz ab. Lediglich etwa zwei Prozent der Wärme wird vom Spitzenlast-Gaskessel geliefert – und zwar nur dann, wenn der Holzkessel im Sommer gewartet wird.

Die Naturenergie Cham GmbH beliefert zwei Wärmekunden: Goldsteig und die Stadtwerke. Letztere betreiben das inzwischen auf 14 Kilometer Länge gewachsene Wärmenetz mit rund 120 Firmen-, Behörden- und Privatkunden entlang der Leitungsstrecke. Der in der Entnahme- Gegendruck-Turbine erzeugte elektrische Strom wird dabei über die Stadtwerke Cham direkt vermarktet. Auch bei der Bayerwald-Käserei Goldsteig, dem ersten und größten einzelnen Wärmeabnehmer, konnte das neue Konzept den erhofften Erfolg bringen und Einsparungen sowie eine saubere Energieversorgung gewährleisten: „Wir haben so eine kostengünstige und zuverlässige Versorgung mit Prozessdampf und Wärme“, erklärt Andreas Kraus, Geschäftsführer der Käserei Goldsteig. „Die von der Firma Gammel konzipierte Technik lässt eine sehr flexible Bereitstellung zu. So können auch kurzfristige Bedarfsschwankungen abgefangen werden. Das erleichtert unsere Käseproduktion und ist ein Standortvorteil für uns.“

Für eine optimale Unterstützung in allen Projektphasen zeigte Gammel von Beginn an vor Ort Präsenz: Thomas Zweier war bereits als Projektleiter während der Planungs- und Bauphase des Bio-HKW der Ansprechpartner auf Seiten von Gammel Engineering tätig und führt heute die Niederlassung in Cham: „Wir sind hier vor Ort kontinuierlich gewachsen. Unser Fachleute-Team hat so nicht nur bei Goldsteig und Naturenergie, sondern bei zahlreichen Unternehmen im ostbayerischen Raum erfolgreich hocheffiziente dezentrale Energiesysteme implementiert“, sagt der Projekt- und Niederlassungsleiter. Nach zehn erfolgreichen Jahren sehen die Abensberger Ingenieure im gut funktionierenden, partnerschaftlichen Betrieb der Bioenergie- Anlage einen wesentlichen Beitrag zur Klimawende sowie zu größerer Unabhängigkeit von Energieträgern aus Kriegs- und Krisengebieten.

Energiepartnerschaft als Blaupause

Zwar lässt sich das Beispiel Naturenergie Cham nicht 1:1 auf andere Orte übertragen. Vor allem die in der jeweiligen Region verfügbaren natürlichen Energieträger spielen bei den Konzepten eine wichtige Rolle. „Aber kommunale wie private Energiekonzepte führen grundsätzlich zu effizienterem Energieeinsatz – wie sie in Cham beispielhaft seit gut zehn Jahren zu erleben ist“, so Gammel. Stefan Raab, in Personalunion Geschäftsführer der Stadtwerke Cham GmbH und der Naturenergie Cham GmbH bestätigt diese positive Einschätzung: „Mit dem Bau des Biomasseheizkraftwerkes haben wir uns auf völlig neue Geschäftsfelder eingelassen. Einerseits die Strom-, Wärme- und Dampferzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen und anderseits auf die Errichtung eines Fernwärmenetzes sowie die zuverlässige Versorgung von Kunden mit dem Produkt Wärme.“ Raab zeigt sich dabei sehr dankbar über die kompetente und umfassende Beratung seitens Gammel Engineering, wobei die vertrauensvolle Zusammenarbeit bis heute anhält. Dass sich die Gammel-Tochter Nova Cal neben dem Hauptanteilseigner Stadtwerke Cham und der Baunternehmensgruppe Rädlinger an der Naturenergie-Gesellschaft beteiligt hat, bestätigt das Vertrauen und die Überzeugung der Abensberger Ingenieure in die Partnerschaft.

Die Energiepartnerschaft, die zwischen Käserei, Naturenergie, Stadtwerken und der Ingenieurgesellschaft Gammel entstanden ist, hatte auch das Interesse des Bundeswirtschaftsministeriums geweckt: Entscheidungsträger aus vieler Herren Länder konnten in Cham bereits ihr Wissen um die Funktion nachhaltiger Energiesysteme deutscher Herkunft erweitern. Dabei fungiert das Projekt als beispielhafte Blaupause und Ansatzpunkt für den erfolgreichen Aufbau regionaler Energiesysteme aus regenerativen Quellen.


Diesen Artikel finden Sie in LT 11/2022 auf den Seiten 28 bis 29.

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