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Bedruckte Folien bieten ideale Voraussetzungen für laserbasierte Kennzeichnungsverfahren.
Gerhard Schubert GmbH
Bei transparenten Packstoffen ermöglicht UV-härtende Tinte gestochen scharfe Kennzeichnungen.

MIT DRUCK ZU MEHR NACHHALTIGKEIT

Eine Verpackung kann auf unterschiedliche Weise zeigen, was in ihr steckt. Form- und Farbgebung gehören ebenso zur Kommunikation wie Etiketten oder Aufdrucke. Doch die Frage, ob Produktinformationen klebend oder direkt auf den Packstoff aufgebracht werden, ist längst keine rein ästhetische mehr. Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschiebt sich der Fokus spürbar – und mit ihm die Anforderungen an die Kennzeichnung.

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Für Unternehmen bedeutet das: Entscheidungen werden komplexer. Die passende Lösung muss zum Produkt passen, zur Verpackung, zur Linie – und zur Regulierung. So stellt die Packaging & Packaging Waste Regulation der EU unter anderem klare Anforderungen, die Hersteller ab 2026 berücksichtigen müssen. Neben Chargen- und Seriennummern werden dann auch Kontaktangaben der Hersteller verpflichtend auf der Verpackung sein. Gleichzeitig sollen QR-Codes oder vergleichbare digitale Informationsträger über die Wiederverwertbarkeit informieren und Angaben zu Recyclingprozessen, Reparaturmöglichkeiten oder Rücknahmesystemen zugänglich machen. Ab 2028 folgen EU-weit einheitliche Piktogramme, die Transparenz über die Materialzusammensetzung schaffen.

Die Stoßrichtung ist klar: Verpackungen sollen nicht nur funktionieren, sondern sich auch besser in Kreisläufe einfügen. Hersteller reagieren darauf mit Monomaterialien, reduzierten Klebstoffmengen oder höheren Rezyklatanteilen. Bei der Kennzeichnung greifen jedoch andere Stellhebel. Hier geht es weniger um Material, sondern um Verfahren und Integration in den Prozess. Und genau hier gerät das klassische Etikett zunehmend unter Druck – vor allem dann, wenn es den Recyclingprozess durch zusätzliche Materialkombinationen erschwert.

„Für eine PPWR-konforme Kennzeichnung kommen zahlreiche Ansätze infrage, die sich allesamt mit Drucktechnologien umsetzen lassen“, erläutert Stefan Horvath, Produktmanager im Packaging Competence Center der Gerhard Schubert GmbH. Vor allem QR- und 2D-Codes werden künftig eine zentrale Rolle spielen. Sie übernehmen eine Funktion, die bisher kaum nötig war: Sie verlagern Information von der Verpackung in den digitalen Raum.

Vom Packstoff in den Datenraum

In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Digitale Produktpass an Bedeutung, der ab 2027 für erste Produktgruppen verpflichtend werden soll. Über ihn erhalten Verbraucher, Recycler, Hersteller und Behörden Zugang zu detaillierten Daten über Zusammensetzung, Herkunft und Verarbeitbarkeit von Verpackungsmaterialien. Für Recycler kann das konkret bedeuten, Materialien schneller zu erkennen und Sortierprozesse gezielter zu steuern. Die Verpackung selbst wird dabei nicht überfrachtet – sie dient als Zugangspunkt.

Damit stellt sich in der Praxis eine ganz konkrete Frage: Wie kommen diese Informationen auf die Verpackung? Zusätzliche Daten bedeuten häufig auch zusätzlichen Entwicklungsaufwand, weil klassische Verfahren wie Continuous Inkjet nicht jede Anforderung abdecken. „Unter Qualitäts- und Effizienzaspekten bieten laserbasierte Systeme einen Vorteil, da sie schneller und großflächiger arbeiten“, so Horvath.

Allerdings ist der Einsatz von Lasertechnologie kein Selbstläufer. Die Systeme funktionieren nur auf geeigneten Materialien, sie sind investitionsintensiver und bringen höhere Anforderungen an Sicherheit und Betrieb mit sich. „Schutzvorrichtungen sowie geschultes Personal für Betrieb und Wartung gehören für den sachgemäßen Einsatz eines Lasersystems dazu“, führt Horvath aus. Die Entscheidung fällt daher selten rein technologisch, sondern immer im Kontext der jeweiligen Produktion. „Wer Premium-Produkte auf den Markt bringt, entscheidet sich aufgrund der höheren Auflösung des Laserdrucks womöglich eher für diese Variante als der Hersteller eines schnelllebigen Konsumguts.“

Technologien zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit

Laserverfahren bieten den Vorteil, Verpackungen gezielt und materialschonend zu kennzeichnen. UV-Laser etwa erzeugen einen Farbumschlag im Material, ohne thermisch einzugreifen. Dadurch lassen sich auch dünne Folien oder empfindliche Verbundstoffe bearbeiten, ohne deren Eigenschaften zu beeinträchtigen. Parallel dazu haben sich tintenbasierte Verfahren mit UV-Härtung etabliert. Sie kombinieren hohe Druckgeschwindigkeit mit stabiler Druckqualität, auch unter anspruchsvollen Produktionsbedingungen.

Die Tinte wird dabei durch Licht in Sekundenschnelle ausgehärtet und bleibt wischfest. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Oberflächenvorbehandlung. Verfahren wie Corona- oder Plasma-Behandlung sorgen dafür, dass die Tinte zuverlässig haftet und nicht abperlt. „Dies führt zu einer äußerst starken Verbindung mit dem Trägermaterial, einem gestochen scharfen Druckbild und sehr hoher Kratzfestigkeit“, betont Horvath.

Demgegenüber bleibt der Continuous Inkjet-Druck eine wirtschaftlich attraktive Option, insbesondere bei hohen Taktzahlen. Die Technologie ist etabliert, vergleichsweise günstig und flexibel einsetzbar. Ihre Grenzen zeigen sich jedoch bei der Druckqualität und Beständigkeit. Da die Tinte durch Verdunstung trocknet, reagiert sie empfindlicher auf äußere Einflüsse und kann unter ungünstigen Bedingungen verwischen. „Das einfache und kostengünstige Verfahren eignet sich überall dort, wo hohe Druckgeschwindigkeiten, eine geringe Auflösung und kleine Druckflächen den Druckbetrieb bestimmen“, erläutert Horvath.

Unterm Strich verschiebt sich die Rolle der Kennzeichnung deutlich. Sie ist kein nachgelagerter Schritt mehr, sondern Teil der Gesamtstrategie. Wer Verpackungen heute entwickelt, muss Kennzeichnung von Anfang an mitdenken – technisch, regulatorisch und wirtschaftlich. Der Trend ist dabei klar erkennbar: Lösungen, die ohne zusätzliche Materialien auskommen, gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig wächst der Anteil digitaler Informationen, die nicht mehr auf der Verpackung selbst stehen, sondern über sie zugänglich gemacht werden.

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