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Alles andere als Couch Potatoes: eSport und Gaming haben sich zu einer ernsthaften Disziplin gemausert, die zunehmend professionalisiert stattfindet.

NEUE ENERGIE FÜR EINE NEUE SPORTART

Als die ersten Energy Drinks die Regale eroberten, sorgten sie für einen regelrechten Hype. Viele Jugendliche griffen gerne zum süßen Wachmacher. Auch wenn deren übermäßige Genuss kritisch gesehen wird: Die Energie-Kicks aus der Dose sind salonfähig geworden – und dank neuer Formulierungen mit natürlichen Zutaten auch für gesundheitsbewusste Verbraucher interessant. Nun erobern Energy Drinks einen neuen Markt: eSports. Der alternative Zucker Palatinose kann speziell in Formulierungen für diese Zielgruppe punkten, denn er liefert ausgewogene und langanhaltende Energie aus Kohlenhydraten – ohne Sugar Crash.

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eSports generierten im Jahr 2019 weltweit einen Umsatz von mehr als 950 Millionen US-Dollar, und die damaligen Prognosen für 2020 deuteten ein Wachstum von fast 16 Prozent an. COVID-19 hat das Segment weiter beflügelt: Das Marktforschungsunternehmen Nielsen konnte pandemiebedingt einen deutlichen Zuwachs im Bereich eSports und Gaming feststellen – am stärksten in den USA (plus 46 Prozent), gefolgt von Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Natürlich betreibt nicht jeder Gamer oder eSports-Spieler sein Hobby auf Wettkampfniveau. Doch das Unternehmen und Marken wie BMW, SAP, Pringles oder Volvic als Sponsoren für eSports-Teams und virtuelle Fußball-Ligen auftreten, macht klar, welche Bedeutung dieses Segment inzwischen hat.

Die Gamer sind zahlenmäßig eine nicht zu unterschätzende Zielgruppe für die Produktentwickler, insbesondere im Bereich Sportlernahrung und Energy Drinks. Erste Marken haben bereits die Gunst der Stunde erkannt und bringen Produktportfolios auf den Markt, die mit Energiegetränken, Riegeln und schnellen Mahlzeiten direkt die computerspielfreudigen Käufer ansprechen sollen. In Deutschland hat das Unternehmen Runtime sein Produktportfolio auf „schnelle und intelligente Ernährung“ konzentriert, die es ermöglichen soll, sich auch „beim Zocken“ vollwertig zu ernähren. In Japan bietet das Unternehmen Zone Energy den Energy Drink 'G zone' an, der mit „digital performance for e-culture“ beworben wird.

Energy Drinks: was im Körper passiert

Interessanterweise sind die Anforderungen, die Spieler an ihre Energiezufuhr stellen, gar nicht so verschieden von jenen, die Sportler auf Rasen oder Tartanbahn haben. „Gerade Gamer, die sich virtuell mit anderen in Wettkämpfen messen, sind eine wichtige Zielgruppe für funktionelle Getränke. Diese können den Spielern dabei helfen, während der Spielzeit Energie und Konzentration zu halten oder bei Wettkämpfen auch in Stresssituationen weiter entspannt zu bleiben“, sagt Jenny Zegler, Associate Director bei Mintel Food & Drink. eSports-Aktive sind auf der Suche nach Produkten, die sie optimal unterstützen und dabei ein Höchstmaß an Convenience bieten.

Gleichzeitig wird auch der gesundheitliche Aspekt immer wichtiger: Das Bild der computerspielenden Couch Potato ist längst nicht mehr aktuell. Wie im realen Sport müssen eSportler in ihren Teams bei Wettkämpfen Höchstleistungen erbringen – die Erwartungen von Sponsoren und Zuschauern sind immens und damit auch die Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit und Fitness generell. Doch nach wie vor setzen viele Hersteller in ihren Produkten auf Koffein und/oder Taurin in Verbindung mit hochglykämischen Kohlenhydraten – suboptimal, wenn man über einen längeren Zeitraum Power benötigt und konzentriert sein muss.

Für viele Menschen ist Kaffeegenuss gerade am Morgen wichtig, dient das Alkaloid Koffein doch als zuverlässiger Muntermacher. Auch Energy Drinks setzen auf diese belebende Wirkung – und Taurin soll als Beigabe zum Koffein den Stoffwechsel beschleunigen. Ein Nachteil: Koffein suggeriert dem Körper zwar Wachheit und versetzt ihn hormonell in Alarmbereitschaft, liefert ihm aber keine Energie in Form von Glukose, die er notwendigerweise braucht.

Für den Körper ist daher die Energiebereitstellung durch Kohlenhydrate (Glukose) wichtiger als der schnelle Koffeinkick. Unser Gehirn ist ganz besonders von dieser Energiequelle abhängig und verbrennt rund 130 Gramm Glukose pro Tag. Viele Energy Drinks setzen auf hoch glykämische Kohlenhydrate wie Maltodextrin, Saccharose oder Glukosesirup. Nach Spaltung und Resorption gelangt Glukose mit hoher Geschwindigkeit in den Blutkreislauf und der Blutzuckerspiegel steigt: Unser Körper hat seinen Brennstoff. Infolge der schnell ansteigenden und hohen Glukosewerte im Blut schüttet der Körper verstärkt das Regulationshormon Insulin aus. So gelangt die Glukose schneller aus dem Blut in die Zellen, wodurch der Blutzuckerspiegel ebenso rasant wieder abfällt. Letzteres wird gerne als Sugar Crash bezeichnet – ein Leistungstief, das viele Menschen nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit empfinden. Niedrig glykämische Kohlenhydrate hingegen, zu denen Palatinose gehört, versprechen eine ausgewogene Energiezufuhr.

Konstante Energie dank Palatinose

Auf den ersten Blick verfügt Palatinose über vergleichbare Eigenschaften wie Saccharose: Sie wird nicht nur ebenfalls aus der Zuckerrübe gewonnen, sondern liefert mit etwa vier Kilokalorien pro Gramm auch einen genauso hohen Brennwert wie herkömmlicher Zucker. Dazu Anke Sentko, Vice President Regulatory Affairs & Nutrition Communication bei Beneo: „Wir bezeichnen Palatinose gerne als alternativen Zucker. Palatinose wird vollständig, aber sehr viel langsamer im Dünndarm gespalten. Dabei wird die gesamte Länge des Dünndarms genutzt und nicht nur, wie bei schnell verfügbaren Kohlenhydraten, der erste Dünndarmabschnitt. So kommt es weder zu einer Überdosierung noch zu einer sofortigen Gegenregulation durch Insulin.“

Damit ist Palatinose aus ernährungsphysiologischer Sicht ein ideales Kohlenhydrat und eine interessante Zutat für alle, die von einer langanhaltenden und ausgewogenen Energiebereitstellung profitieren möchten. Sentko ergänzt: „In einer Studie mit Radsportlern, die entweder ein Getränk mit Palatinose oder mit Maltodextrin konsumiert hatten, schnitten die Probanden der Palatinose-Gruppe nicht nur sportlich besser ab. Sie zeigten auch ein vorteilhafteres Blutglukoseprofil vor und während der Ausdauerübung sowie einen höheren Poweroutput während des abschließenden Sprinttests. In Studien konnte auch beobachtet werden, dass die besondere Energielieferung durch Palatinose das Gehirn in seinen Denk- und Erinnerungsleistungen unterstützen und die Stimmung verbessern kann“, so Sentko abschließend.