© JBT Marel Treif
Mike Vogelsberg, Leiter Entwicklung Software & E-Technik bei Treif, sagt: „Seit wir auf die Protect Select umgestellt haben, hat sich die Lagerhaltung deutlich vereinfacht und die Sicherheitsfunktionen sind perfekt abgestimmt auf das, was wir brauchen – baureihenübergreifend.“
© JBT Marel Treif
Die neue Generation der Puma-Baureihe soll Maßstäbe beim schnellen und präzisen Schneiden von Fleisch setzen.
© Schmersal
In den Maschinen kommt die Sicherheitssteuerung Protect Select OEM zum Einsatz.

SCHNELL UND PRÄZISE SCHNEIDEN

Unter der bekannten Produktlinie Treif fertigt JBT Marel in Oberlahr industrielle Schneidanlagen und setzt dabei baureihenübergreifend eine spezifische Sicherheits-Kompaktsteuerung ein – so auch in der neuesten Entwicklung Puma, die kurz vor der Markteinführung steht. Die Lösung bietet Vorteile nicht nur für Maschinenbauer, sondern auch für das Bedienpersonal.

Seite 1/1 4 Minuten

Seite 1/1 4 Minuten

Steaks, Leberkäse, Koteletts: Die Treif Puma von JBT Marel schneidet Lebensmittel mit hohem Tempo, hoher Präzision und sehr flexibel. Deshalb ist diese Baureihe weltweit vor allem in vielen fleischverarbeitenden Betrieben im Einsatz. Aktuell läuft im Werk Oberlahr die Vorbereitung für die Serienproduktion der neuen Generation.

Auch bei der Höchstleistung von 260 Schnitten pro Minute und vielen Produktwechseln muss sich der Bediener keine Sorgen um die Sicherheit beim Schneidprozess machen. Denn für die Konstrukteure hat die Maschinensicherheit hohe Priorität. Das zeigt unter anderem das durchdachte Bedienkonzept, auf das noch eingegangen wird, sowie die Tatsache, dass die neue Version – und die meisten anderen Baureihen, die unter der Produktlinie Treif gefertigt werden – mit einer kompakten Sicherheitssteuerung vom Typ Protect Select OEM ausgestattet ist.

Diese Steuerung wird von Schmersal nach den Wünschen und Anforderungen des Anwenders, das heißt in diesem Fall von JBT Marel, programmiert und validiert. Geliefert wird eine fertig programmierte und validierte Sicherheitssteuerung mit verschiedenen auswählbaren Applikationsprogrammen. Die IO‑Konfigurationen, Sicherheitsschaltgeräte‑Kombinationen und Meldungen der unterschiedlichen Maschinentypen werden über die verschiedenen Applikationsprogramme der Protect Select OEM ausgewählt.

Zuvor unterschiedliche Steuerungsmodelle

Schon seit einigen Jahren setzen die Treif-Ingenieure diese OEM-spezifische Sicherheitssteuerung ein. Mike Vogelsberg, Leiter Entwicklung Software & E-Technik: „Wir hatten vorher unterschiedliche Steuerungsmodelle für die einzelnen Baureihen. Seit wir auf die Protect Select umgestellt haben, hat sich die Lagerhaltung deutlich vereinfacht und die Sicherheitsfunktionen sind perfekt abgestimmt auf das, was wir brauchen – baureihenübergreifend. Wir müssen die Steuerung nach der Installation nur anmelden und die jeweiligen Applikationen bestimmen.“

Ursprünglich gab es sechs solcher Applikationsprogramme, die Software-Spezialisten von Schmersal geschrieben haben. Zu den Funktionen dieser Programme gehören zum Beispiel die sicherheitstechnische Koordination der Überwachung oder Betätigung von Schutzhaube, Vorschub (Greifer), Austragband und Messer sowie definierte Wartungspositionen. Auch die optionale nicht-elektrische Deckelöffnung per Federkraft – die eine schnellere Bestückung mit neuem Schneidgut ermöglicht – wird sicherheitstechnisch berücksichtigt.

Für die neue Puma-Generation haben die Schmersal-Programmierer jetzt eine siebte Applikation in die Steuerung "hineinprogrammiert". Und bei Bedarf können bei neuen Anforderungen problemlos noch weitere Funktionen beziehungsweise Programme hinzugefügt werden. Damit ist diese Art der Sicherheitssteuerung zukunftssicher und auch baureihenübergreifend nutzbar. Die umfassende Konnektivität der Protect Select OEM (18 sichere digitale und zwei sichere analoge Eingänge, sechs sichere Ausgänge) schafft die Voraussetzung für vielfältige Einsatzszenarien. Eine unidirektionale Schnittstelle ermöglicht die Signalauswertung und steigert die Nutzbarkeit bei geringem Verdrahtungsaufwand.

Eine Applikation, die bei allen Maschinen mit der Protect Select OEM genutzt wird, betrifft die Not-Aus-Funktion "Safe Torque Off" (sicher abgeschaltetes Drehmoment). Die Applikationsprogramme lassen sich bei der Installation einfach auswählen, sodass eine einzig OEM-Hardware‑Variante der Sicherheits‑Kompaktsteuerung ein breites Maschinenspektrum abdeckt. Dazu Vogelsberg: „Wir nutzen die Protect Select OEM nicht nur für Portionsschneider, sondern unter anderem auch für Dicer – das sind Maschinen, die beispielsweise Speck und Schinken in Würfel schneiden – und für die SB-Brotschneidemaschinen in Supermärkten, die mit Sicherheitszuhaltungen ausgestattet sind. Nur unsere komplexesten Maschinen mit besonders anspruchsvollen Sicherheitsfunktionen, die oft auch sichere Antriebsfunktionen wie Safe Limited Speed fordern, sind mit einer passenden Safety SPS ausgestattet.

Bei der Festlegung der gewünschten Applikationen und der Zuordnung von Ein- und Ausgängen haben die Safety-Experten von Schmersal intensiv mit der Treif-Entwicklung zusammengearbeitet, mehrfach waren auch die Schmersal-Programmierer in Oberlahr vor Ort. Das Ergebnis: Die Programmlogik ist bestens an die Maschinenfunktionen angepasst, die Programmcodes von mehreren zuvor eingesetzten Steuerungen sind abgebildet und eine kleinere Hardware-Änderung wurde ebenfalls realisiert. Eine Baumusterprüfung der Software gehörte zum Service-Umfang.

Standardisierung ein zentrales Ziel

Die stärkere Standardisierung auf der Antriebs- und Maschinenebene war ein zentrales Ziel, das die Konstrukteure im Team um Mike Vogelsberg bei der Entwicklung der neuen Puma-Generation verfolgten – ein Konzept, das sich bei der Maschinensicherheit bereits bewährt. „Die Antriebe sind drehzahlgeregelt. Der Bediener gibt die Dicke der Scheiben und die Taktrate pro Minute ein, und die Maschine regelt das selbsttätig ein.“ Die Steuerung koordiniert dabei die Antriebe, und die Betriebsweise der Sicherheits-Kompaktsteuerung wiederum wird mit den betriebsmäßigen Signalen koordiniert.

Bei der Bedienung der Puma und anderer Maschinen setzen die Konstrukteure auf den Grundsatz "Weniger ist mehr". Vogelsberg erklärt: „Die Maschinen stehen oft in kleineren Betrieben. Sie werden in der Regel nicht von Elektrofachkräften bedient, sondern von Mitarbeitern in fleischverarbeitenden Betrieben oder Bäckereifilialen. Deshalb ist eine einfache, möglichst intuitive Bedienung das Ziel.“ Gewährleistet wird das durch einen Touch Screen in Kombination mit wenigen physischen Bedienelementen. Dabei setzt Treif auf das H-Programm der Bediengeräte von Schmersal. Dieses entspricht sehr hohen Anforderungen an die Hygiene. „Wir testen alles, was wir verbauen, sehr intensiv auf die Verträglichkeit gegenüber häufiger und intensiver Reinigung“, berichtet Vogelsberg. „Mit den Schaltern aus dem vorherigen N-Programm waren wir immer zufrieden und werden deshalb jetzt sukzessive auf die Nachfolgebaureihe umstellen.“ Gerade bei Slicern werden besondere Hygieneansprüche gestellt.

Bei der Entwicklung sowohl der Schutzeinrichtungen als auch des HMI (Human Machine Interface) der Maschinen ist die Manipulationssicherheit ein wichtiger Aspekt – schließlich ist die Verletzungsgefahr beim Umgehen der Schutzeinrichtungen hoch. Deshalb sind die Magnete von Sicherheitssensoren verdeckt angebracht, und nach dem Einschalten der Maschinen ist ein Testzyklus vorgegeben: Die Schutzhaube muss einmal geöffnet und geschlossen werden, um die einwandfreie Funktion des sicherheitsgerichteten Abschaltens bei geöffneter Haube zu prüfen. Auch dieser Zyklus wird von der OEM-Sicherheits-Kompaktsteuerung überwacht.

Zusammengefasst sind die Vorteile der kundenspezifischen Sicherheits-Kompaktsteuerung aus Sicht von Treif offensichtlich: Die Standardisierung spart Kosten, reduziert Komplexität und vereinfacht die Lagerhaltung. Die OEM-Variante enthält alle Funktionen, die für eine sichere Maschinenbedienung benötigt werden. Die für die verschiedenen Maschinentypen und ‑baureihen erforderliche Varianz wurde in die Steuerung integriert. Das jeweils benötigte Applikationsprogramm wird bei der Installation über Auswahlbuttons und Display per Umschaltung aktiviert.

Mit den "soft facts" sind die Verantwortlichen bei Treif ebenso zufrieden. Die kontinuierliche Zusammenarbeit funktioniert gut. Auch deshalb werden in neuen Maschinengenerationen künftig vermehrt hygienegerechte Schaltgeräte aus dem H-Programm eingesetzt, und die spezifische OEM-Variante der Sicherheits-Kompaktsteuerung sowieso.


Diesen Artikel finden Sie in LT 7-8/2026 auf den Seiten 36 und 37.

Ihr Weg zum Abo: Klicken Sie hier!

×