WO TRADITION AUF ZUKUNFT TRIFFT
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Das umfangreiche Kongressprogramm umfasst rund 75 Fachvorträge, die sich auf insgesamt 20 Themenkreise verteilen. Am Donnerstag- und Freitagmittag beziehungsweise -nachmittag laufen die Beiträge zeitweise in drei parallelen Sessions, sodass die Teilnehmer ihr Programm entsprechend den eigenen fachlichen Schwerpunkten zusammenstellen können. Ergänzt werden die Vorträge durch Posterpräsentationen, eine Ausstellung, eine lebensmittelrechtliche Podiumsdiskussion und eine Institutsführung.
„Mit dem Kongress möchten wir die große thematische Bandbreite der Lebensmitteltechnologie sichtbar machen und zugleich Menschen aus Wissenschaft, Industrie und Nachwuchsförderung miteinander ins Gespräch bringen“, sagt Sandra Buckenhüskes, Geschäftsführerin der GDL. „Dresden bietet dafür in diesem Jahr einen ganz besonderen Rahmen: Wir diskutieren aktuelle technologische Herausforderungen und würdigen gleichzeitig 70 Jahre Lebensmitteltechnik an der TU Dresden.“ Die Wahl als Veranstaltungsort ist deshalb weit mehr als eine organisatorische Entscheidung: Sie führt den GDL-Kongress an einen Ort zurück, der die Lebensmitteltechnik in Deutschland seit Jahrzehnten prägt. Seit 1956 wird an der TU Dresden daran geforscht, wie Lebensmittel sicherer, effizienter und zukunftsfähiger verarbeitet werden können. Aus klassischen verfahrenstechnischen Fragestellungen ist über sieben Jahrzehnte ein breit gefächertes Forschungsfeld entstanden, das heute Automatisierung, Digitalisierung, neue Rohstoffe, alternative Proteine, nachhaltige Verpackungen und ressourcenschonende Produktionsverfahren umfasst. Der Kongress schlägt damit bewusst eine Brücke zwischen der reichen Dresdner Fachtradition und den technologischen Herausforderungen, vor denen die Lebensmittelbranche heute und morgen steht.
Prozess- und Produktinnovationen zum Auftakt
Nach der Kongresseröffnung am Donnerstag, 24. September, stehen zunächst das Jubiläum der Dresdner Lebensmitteltechnik sowie grundlegende Zusammenhänge zwischen Struktur, Funktion und Verarbeitung von Lebensmitteln im Mittelpunkt. Weitere Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit Polysacchariden, der Maillard-Reaktion und technologischen Fragestellungen aus der Getränkeund Lebensmittelproduktion.
Am Nachmittag wird das Programm in mehreren parallelen Themenkreisen fortgesetzt. Im Bereich Prozess- und Produktinnovationen geht es beispielsweise um energieeffiziente Trocknungs- und Agglomerationsverfahren, schonende Kondensationstrocknung sowie um Qualitätskontrolle und die Stabilität von Inhaltsstoffen während der Verarbeitung. Ein weiterer Themenkreis widmet sich der Agri-FoodTech-Allianz und damit der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft entlang der Farm-to-Fork-Wertschöpfungskette. Behandelt werden unter anderem Mikroalgen als neuartige Lebensmittelrohstoffe, kreislauffähige Verpackungskonzepte sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz im betrieblichen Wissensmanagement.
Digitalisierung und KI bilden auch in den späteren Sitzungen einen Schwerpunkt. Das Spektrum reicht von digitalen Prozessmodellen und kollaborativer Robotik über reinigungsgerechte Maschinengestaltung bis zur datenbasierten Unterstützung industrieller Produktionsabläufe.
Verfahrenstechnische Beiträge befassen sich unter anderem mit dem Energieeintrag beim Mischen, der Sterilisation flüssiger Lebensmittel, Schneidprozessen und Möglichkeiten zur energetischen Optimierung industrieller Verfahren. Parallel dazu stehen Milchalternativen und hybride Lebensmittel im Fokus. Thematisiert werden der Einfluss thermischer Behandlungen, Fouling bei Haferdrinks, Verbrauchererwartungen an pflanzliche Alternativen sowie neue Strukturierungsverfahren für proteinreiche Käsealternativen.
Pflanzliche Proteine, Backwaren und neue Bioressourcen
Der zweite Kongresstag beginnt mit parallelen Sitzungen zu pflanzlichen Proteinen, Backwarentechnologie sowie neuen Bioressourcen und Novel Foods. Im Mittelpunkt stehen die Gewinnung, Aufbereitung und Funktionalisierung pflanzlicher Proteine, beispielsweise aus Ackerbohnen, Erbsen, Linsen und weiteren Leguminosen. Weitere Vorträge behandeln Proteinfraktionierung, Gelbildung und die gezielte Beeinflussung funktioneller Eigenschaften.
Im Bereich Backwaren geht es unter anderem um alternative Fettstrukturen für Blätterteige, ballaststoffangereicherte Brote, die Reduktion von Acrylamid, veränderte Weizenmehlqualitäten und die Bedeutung von Sauerteig für die Produktqualität. Zudem werden Zusammenhänge zwischen Rohstoff, Prozessführung und den sensorischen Eigenschaften von Backwaren untersucht.
Der Themenkreis zu neuen Bioressourcen erweitert den Blick auf bislang wenig genutzte Rohstoffquellen. Dazu gehören alternative biologische Ressourcen, Quallen, Insektenproteine und optische Sensorverfahren zur Erfassung von Qualitätsparametern. Die Beiträge zeigen, dass neue Rohstoffe nicht nur hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, sondern auch im Hinblick auf Verarbeitung, Sicherheit, Akzeptanz und regulatorische Anforderungen bewertet werden müssen.
Weitere Themenkreise widmen sich der klassischen und innovativen Verfahrenstechnik. Behandelt werden unter anderem nichtthermische Plasmaverfahren zur Verbesserung der Lebensmittel- und Wassersicherheit, die Charakterisierung lebensmitteltypischer Verschmutzungen sowie Anforderungen an eine effiziente und sichere Anlagenreinigung. Im Bereich Verpackungstechnologie stehen faserund papierbasierte Lösungen im Mittelpunkt. Das Programm reicht von Rohstoffen, Barrieren und Maschinengängigkeit über kritische Stoffeinträge in den Papierkreislauf bis zur dreidimensionalen Formung faserbasierter Verpackungen. Ergänzend werden Biokomposite aus pflanzlichen Nebenströmen und neue Einsatzmöglichkeiten additiver Fertigungsverfahren vorgestellt.
Analytik, Qualitätssicherung und alternative Proteine
Die Nutzung von Rohstoffen und Nebenströmen bildet einen weiteren Schwerpunkt. Dazu gehören die Feinzerkleinerung alternativer Schokoladenrohstoffe, die Verarbeitung pflanzlicher Presskuchen, neue Süßungs- und Backzutaten sowie technologische Ansätze zur Aufwertung von Nebenprodukten. Auch die Olivenölproduktion und die Gewinnung von Wertstoffen aus Oliventrester werden aus verfahrenstechnischer Perspektive betrachtet.
Das Nachmittagsprogramm des zweiten Tages greift aktuelle Fragen der Analytik und Qualitätssicherung auf. Dazu zählen neue Messmethoden für strukturierte Lebensmittel und Fleischalternativen, Mineralölrückstände, PFAS sowie weitere chemische und regulatorisch relevante Kontaminanten. Ein eigener Themenkomplex beschäftigt sich mit alternativen Proteinquellen und neuen Strukturierungstechnologien. Neben pflanzlichen Rohstoffen werden Proteine aus der Präzisionsfermentation sowie funktionelle und rheologische Eigenschaften neuer Proteinmatrices betrachtet. Damit verbindet der Kongress Grundlagenforschung mit den Anforderungen an industriell herstellbare und sensorisch überzeugende Lebensmittel.
Der Samstag, 26. September, ist lebensmittelrechtlichen und regulatorischen Fragestellungen gewidmet. Auf dem Programm stehen die zunehmende Regulierung von Lebensmittelkontaktmaterialien, Einschränkungen von Bisphenolen und PFAS sowie der aktuelle Stand bei neuen genomischen Techniken. Eine Podiumsdiskussion bündelt die rechtlichen Fragestellungen und eröffnet Raum für den Austausch über deren praktische Auswirkungen auf Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln. Den Abschluss bildet eine Führung durch das Institut für Naturstofftechnik der TU Dresden, bei der die Teilnehmer Einblicke in Forschung, Ausstattung und aktuelle Arbeiten am Dresdner Standort erhalten.
Preisverleihungen und Abendveranstaltungen
Neben den wissenschaftlichen und technischen Vorträgen bietet der GDL-Kongress Raum für persönlichen Austausch und fachliche Vernetzung. Bereits am Eröffnungstag wird der Nachwuchsförderpreis der Ulrich Florin Stiftung verliehen. Ein Höhepunkt des Rahmenprogramms ist die Feier "70 Jahre Lebensmitteltechnik an der TU Dresden" am Donnerstagabend im Tusculum. Die Jubiläumsveranstaltung verbindet den Rückblick auf sieben Jahrzehnte Forschung und Lehre mit dem Austausch zwischen ehemaligen und heutigen Angehörigen der Universität sowie Vertretern aus Wissenschaft und Industrie. Für die musikalische Begleitung sorgt die Band Soul Cycle.
Am Freitagabend folgt ein gemeinsames Abendessen im Lohrmanns. Das Unternehmen ist aus einem Forschungs- und Brauprojekt der TU Dresden hervorgegangen und bezeichnet sich als Deutschlands erste ausgegründete Uni-Brauerei. Das Restaurant im Kraftwerk Mitte verbindet selbstgebraute Biere mit einer modern interpretierten Brauhausküche. „Unser Kongress lebt nicht allein von den Vorträgen“, betont Sandra Buckenhüskes. „Mindestens ebenso wichtig ist der persönliche Austausch zwischen erfahrenen Fachleuten, jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studierenden und Unternehmen. Das fachliche Programm, das Dresdner Jubiläum und die gemeinsamen Abendveranstaltungen schaffen dafür hervorragende Voraussetzungen.“
Der GDL-Kongress 2026 zeigt damit die gesamte Bandbreite der modernen Lebensmitteltechnologie – von etablierten verfahrenstechnischen Grundlagen über Digitalisierung, Energieeffizienz und Verpackung bis zu alternativen Rohstoffen, neuen Proteinquellen und regulatorischen Herausforderungen. „Wir laden alle Fachleute der Lebensmitteltechnologie ein, die drei Kongresstage für neue Impulse, intensive Diskussionen und die Erweiterung ihres persönlichen Netzwerks zu nutzen“, so Buckenhüskes. „Wer wissen möchte, welche Themen Forschung und industrielle Praxis derzeit bewegen, findet in Dresden ein außergewöhnlich vielfältiges Programm.“
Das vollständige und fortlaufend aktualisierte Programm steht auf der Website der GDL im Bereich "GDL-Kongress Lebensmitteltechnologie 2026" als PDF zum Download bereit: https://bit.ly/4vON2ag. Dort finden Interessierte alle Informationen zur Anmeldung sowie weitere organisatorische Hinweise zur Veranstaltung.

