GEA-ZENTRUM FÜR INDUSTRIELLE BIOTECHNOLOGIE
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GEA investierte vier Millionen Euro in den Umbau und die Ausstattung einer bestehenden Halle auf dem Gelände der GEA Liquid Technologies GmbH, die seit Jahrzehnten Kompetenzen in der Flüssigkeits- und Prozesstechnologie für alkoholfreie Getränke, Milchverarbeitung und nun auch für New Food bündelt. Rund 200 Mitarbeitende in Engineering, Vertrieb, Automatisierung und Service sind am Standort bereits tätig; durch den Einzug des ATC kommen 40 hinzu. Mit der Zusammenführung rückt das ATC direkt an die vorhandene Ingenieur- und Prozesskompetenz des Standorts heran. Kunden, die ihre biotechnologischen Verfahren im Zentrum testen, können von der ersten Pilotphase bis zur Planung einer industriellen Anlage auf dasselbe Team zurückgreifen.
„Das neue GEA-Technologiezentrum stärkt Sarstedt als Standort für Engineering, Technologie und qualifizierte Arbeitsplätze. Es ist ein wichtiges Signal, dass Zukunftsthemen wie Biotechnologie hier nicht nur diskutiert, sondern konkret bearbeitet werden“, sagte Heike Brennecke, Bürgermeisterin der Stadt Sarstedt.
„New Food und Biotechnologie brauchen Orte, an denen sich entscheidet, ob aus einem vielversprechenden Prozess eine tragfähige industrielle Anwendung werden kann“, sagte Klaus Stojentin, CEO der GEA Division Nutrition Plant Engineering. „In Sarstedt verbinden wir Pilotinfrastruktur mit Engineering- und Prozesskompetenz. So können Unternehmen ihre nächsten Schritte auf belastbarere Daten stützen.“
Vom Laborergebnis zur Investitionsentscheidung
Der Schritt vom Labor in die industrielle Produktion gehört zu den anspruchsvollsten Phasen in der Entwicklung biotechnologischer Prozesse. Ein Organismus kann im Labor ein gewünschtes Produkt herstellen, eine Zelllinie kann wachsen und ein erster Prototyp kann überzeugen. Ob daraus ein wirtschaftlich tragfähiger Prozess wird, zeigt sich jedoch erst bei der Übertragung in größere und stärker integrierte Prozessschritte.
Im ATC können Unternehmen früh prüfen, ob sich ein Verfahren stabil wiederholen lässt und welche Produktqualität erforderlich ist. Dafür verbindet GEA Bioreaktoren im Bereich von 50 bis 500 Litern mit vor- und nachgelagerten Prozessschritten: Vorbereitung der Nährmedien, Separation der Zellmasse, Filtration, hygienische Prozessführung und Automatisierung. Das schafft eine belastbarere Grundlage für die nächste Entwicklungsstufe – etwa für Pilotierung mit Lebensmittelzulassung, die Zusammenarbeit mit Produktionspartnern oder die Planung einer industriellen Anlage.
„Ein gutes Laborergebnis schafft Interesse. Ein belastbarer Prozess schafft Vertrauen“, sagte Frederieke Reiners, Head of New Food & Biotech bei GEA. „Manchmal ist das wichtigste Ergebnis eines Tests auch ein klares Nein – etwa wenn ein Prozess noch nicht stabil genug ist oder seine Kostenstruktur nicht trägt. Diese Erkenntnis kann Unternehmen viel Zeit und Kapital ersparen.“
Anwendungen weit über New Food hinaus
Präzisionsfermentation und Zellkultivierung werden öffentlich häufig mit neuen Proteinquellen verbunden. Ihre Anwendungen reichen jedoch weiter: Biotechnologische Verfahren können unter anderem Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Aromen und weitere funktionelle Inhaltsstoffe für Ernährung, Futtermittel und Gesundheitsprodukte erzeugen. Viele Prozessschritte ähneln sich, unterscheiden sich jedoch je nach Organismus, Produkt und Zielanwendung.
Die Entwicklung im New-Food-Bereich dauert länger, als frühe Erwartungen vermuten ließen. Finanzierung, Regulierung, Produktionskosten und Skalierung bestimmen, wie schnell neue Verfahren den Markt erreichen. Für GEA ist entscheidend, ob sich biotechnologische Prozesse sicher, stabil und wirtschaftlich in die industrielle Praxis überführen lassen. Dabei geht es nicht darum, bestehende Lebensmittelproduktion oder Landwirtschaft zu ersetzen. Neue biotechnologische Verfahren können zusätzliche Produktionswege für ausgewählte Zutaten eröffnen – etwa dort, wo Rohstoffe, Klima, Tiergesundheit oder globale Lieferketten unter Druck geraten.
Brücke zwischen Forschung und Industrie
Deutschland verfügt über starke Kompetenzen in Forschung, Maschinenbau, Prozessindustrie und Lebensmittelproduktion. Damit daraus industrielle Biotechnologie im größeren Maßstab entstehen kann, müssen diese Kompetenzen enger zusammenwirken. Dafür braucht es neben Forschung und Finanzierung auch Pilotinfrastruktur, in der Unternehmen technische und wirtschaftliche Annahmen frühzeitig prüfen können.
Die Bundesregierung hat Präzisionsfermentation und industrielle Biotechnologie zuletzt stärker als Zukunftstechnologien adressiert. Für GEA ist entscheidend, dass daraus belastbare industrielle Strukturen entstehen: mit geeigneter Pilotinfrastruktur, planbaren regulatorischen Verfahren und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Das ATC in Sarstedt ist ein Baustein in dieser Entwicklung. Es verbindet erste Laborergebnisse mit der Frage, ob ein Prozess in größerem Maßstab verlässlich funktioniert und die nächste Investitionsentscheidung rechtfertigt. Bei der Eröffnung zeigten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Biotechnologie, wie sich diese Entwicklung beschleunigen lässt. Dabei ging es auch um die Rolle von Partnern wie der Biotechnology Fermentation Factory in den Niederlanden, die Food-grade-Pilotkapazitäten aufbaut, und Solar Foods aus Finnland, das sein fermentationsbasiertes Protein Solein bereits im industriellen Demomaßstab produziert.

