MEHR ROBOTER FÜR FOOD & BEVERAGE
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Insgesamt waren Ende 2024 weltweit rund 4,66 Millionen Industrieroboter im Einsatz – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2025 rechnet die IFR mit einem weiteren Anstieg der Neuinstallationen um sechs Prozent auf rund 575.000 Einheiten. Bis 2028 soll die Marke von 700.000 neu installierten Robotern pro Jahr überschritten werden.
Noch immer bestimmen einige große Abnehmerbranchen den Robotermarkt. Auf die Elektro- und Elektronikindustrie entfielen 2024 weltweit 24 Prozent der erfassten Neuinstallationen, auf die Automobilindustrie 23 Prozent. Metall und Maschinenbau folgten mit 16 Prozent.
Lebensmittelindustrie wächst in China und den USA
Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie kam weltweit auf einen Anteil von vier Prozent. Damit gehört Food & Beverage noch nicht zu den größten Abnehmerbranchen, doch die Entwicklung in einzelnen Märkten zeigt deutliches Wachstumspotenzial.
In China stieg die Zahl der neu installierten Roboter in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie 2024 gegenüber dem Vorjahr um 86 Prozent auf rund 8.900 Einheiten. Chinesische Roboterhersteller lieferten nach IFR-Angaben bereits 80 Prozent dieser Installationen. Auch in den USA zog die Nachfrage an. Dort wurden 2024 rund 2.200 Roboter in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie installiert – ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die inzwischen vorliegenden vorläufigen Zahlen für 2025 zeigen eine weitere Beschleunigung. Insgesamt stiegen die Installationen von Industrierobotern in den Vereinigten Staaten um elf Prozent auf rund 38.000 Einheiten. In der Lebensmittelindustrie legte die Zahl der Neuinstallationen sogar um 30 Prozent auf rund 3.000 Einheiten zu.
Damit erreichte die Branche nach Angaben der IFR inzwischen ein ähnliches Installationsniveau wie Metall und Maschinenbau sowie die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Robotik verbreitert damit ihre Anwenderbasis zunehmend über die klassischen industriellen Kernmärkte hinaus.
Neue Aufgaben für Roboter
Für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie eröffnen sich Einsatzmöglichkeiten entlang unterschiedlicher Prozessstufen. Etabliert sind Robotersysteme beim Handling, Sortieren und Zuführen von Produkten, bei Pick-and-Place-Anwendungen sowie in Verpackungsprozessen und bei der Palettierung.
Gleichzeitig erweitert sich das technisch mögliche Anwendungsspektrum. Leistungsfähigere Bildverarbeitung und Sensorik helfen Robotern dabei, Lage und Orientierung von Produkten zu erkennen. Neue Greifer sollen auch empfindliche oder unregelmäßig geformte Lebensmittel sicher handhaben können. Kollaborative Systeme können dort von Vorteil sein, wo flexible Automatisierung und häufig wechselnde Aufgaben gefragt sind. Damit rücken Anwendungen in den Fokus, die aufgrund hoher Produktvielfalt oder variierender Produkteigenschaften bislang nur schwer zu automatisieren waren.
Asien dominiert den Robotikmarkt
Regional bleibt Asien das Zentrum des weltweiten Robotermarkts. 74 Prozent aller 2024 neu installierten Industrieroboter entfielen auf Asien, 16 Prozent auf Europa und neun Prozent auf Amerika. China allein kam mit rund 295.000 Neuinstallationen auf 54 Prozent der weltweiten Nachfrage. Europa verzeichnete dagegen einen Rückgang um acht Prozent auf rund 85.000 Einheiten.
Deutschland bleibt dennoch der mit Abstand größte Robotermarkt Europas und rangiert weltweit auf Platz fünf. 2024 wurden hier 26.982 Industrieroboter neu installiert. Das waren fünf Prozent weniger als im Rekordjahr 2023, aber weiterhin das zweithöchste jemals in Deutschland registrierte Ergebnis.
Die Zahlen aus China und den USA zeigen zugleich, dass die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bei der weiteren Verbreitung der Robotik eine wachsende Rolle spielen könnte.
China setzt auf die nächste Entwicklungsstufe
Dass die nächste Entwicklungsstufe nicht allein von steigenden Installationszahlen bestimmt wird, zeigt erneut ein Blick nach China. Im Mai 2026 berichtete die International Federation of Robotics über den neuen 15. Fünfjahresplan des Landes für den Zeitraum 2026 bis 2030. Darin rückt China Robotik stärker in das Zentrum seiner Industriestrategie und will die KI-Forschung verstärkt auf physische Anwendungen ausrichten.
Die Ausgangsbasis dafür ist beachtlich: Rund zwei Millionen Industrieroboter sind nach IFR-Angaben bereits in der chinesischen Fertigungsindustrie im Einsatz. Das entspricht etwa dem 4,5-Fachen des Bestands in Japan, dem weltweit zweitgrößten Markt. Zudem entfallen 54 Prozent der weltweit jährlich installierten Industrieroboter auf China. Gleichzeitig soll sich der technologische Schwerpunkt verschieben. Neben klassischer Industrieautomation gewinnen intelligente Robotersysteme an Bedeutung, die stärker mit künstlicher Intelligenz verbunden sind.
Noch befinden sich humanoide Systeme für reale Produktionsaufgaben vielfach im Demonstrations- oder Pilotstadium. Die strategische Richtung ist dennoch klar: Robotik und künstliche Intelligenz wachsen zunehmend zusammen.
KI erweitert die Möglichkeiten der Robotik
Diese Entwicklung ist auch für die Lebensmittelindustrie relevant. Klassisch programmierte Robotersysteme stoßen dort auf besondere Herausforderungen: Lebensmittel können sich in Form, Größe, Lage oder Beschaffenheit unterscheiden. Gleichzeitig müssen Roboter hohe Geschwindigkeiten erreichen und Produkte zuverlässig erkennen und handhaben.
KI-basierte Bildverarbeitung kann dabei helfen, Produkte zu erkennen, ihre Position oder Orientierung zu bestimmen und Greif- oder Sortierprozesse entsprechend anzupassen. Maschinelles Lernen bietet darüber hinaus Potenzial für Qualitätskontrolle, Fehlererkennung, Predictive Maintenance und Prozessoptimierung. Die Verbindung von Robotik, Sensorik und künstlicher Intelligenz könnte damit weitere Anwendungen erschließen, die sich bislang nur mit hohem Aufwand automatisieren lassen – in einer Branche, in der Produktvielfalt, Formatwechsel und natürliche Schwankungen zum Produktionsalltag gehören.
Quelle: International Federation of Robotics (IFR), World Robotics 2025 sowie IFR-Marktdaten und Veröffentlichungen 2025/2026
