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Hannes Häusler, Bereichsleiter Cobot bei Schubert (Mitte), zusammen mit Tim Scharringhausen, Bereichsleiter Cerealien bei Minderleinsmühle (links), und Betriebsleiter Florian Schmiedecke.
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Bis zu 70 Riegel pro Minute legt der Cobot in Faltschachteln mit verschiedenen Packschemata.
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Die vom TOG millimetergenau befüllten Schachteln auf dem Weg zum manuellen Verschließen.
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Die Schlauchbeutel mit ihren unterschiedlichen Druckbildern fordern den TOG heraus, denn nicht jeder Riegel sieht gleich aus.

RIEGEL TRIFFT ROBOTER

Die Minderleinsmühle hat das Verpacken ihrer Müsliriegel teilautomatisiert. Statt einer großen Linie kommt eine kompakte Lösung auf gerade einmal 1,5 × 1,4 Metern zum Einsatz. Ein KI-gestützter Cobot von Schubert übernimmt das Pick-and-Place ungeordneter Produkte, erkennt unterschiedliche Schlauchbeutel und legt sie in verschiedene Faltschachteltypen ab, ohne dass aufwändige Formatwechsel erforderlich sind.

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Idyllischer könnte eine Lage kaum sein: An der Grenze zwischen Ober- und Mittelfranken schmiegt sich ein weißer Gebäudekomplex an den Lauf der Schwabach. Hier, in Kalchreuth nahe Neunkirchen am Brand, produziert die Minderleinsmühle GmbH & Co. KG seit den späten 1980er Jahren Getreideprodukte in Bioqualität. Dabei mahlt die denkmalgeschützte Wassermühle, die sich seit 1776 in Familienbesitz befindet, nicht nur Korn zu Mehl. Im Laufe ihrer langen Geschichte bereicherten Müsli, Nudeln, Früchte, Nüsse und Kerne die Produktpalette, die das Unternehmen möglichst nachhaltig verarbeitet. Neben einem schonenden Umgang mit Ressourcen gehören Rohstoffe aus biologischem Anbau zu einer Strategie, die die Minderleinsmühle zu einem Pionier ökologischer, regional hergestellter Produkte gemacht hat. Mit den Marken "Minderleinsmühle" und "Rosengarten" sind die Produkte weit über die Region hinaus im Naturkostfachhandel sowie im europäischen Ausland vertreten.

Eine Maschine packt mit an

Dass die Minderleinsmühle Handarbeit großschreibt, versteht sich angesichts des traditionsbewussten Ansatzes von selbst: So verpackt das Produktionspersonal unter anderem die beliebten Müsliriegel der Marke "Mühlengenuss". Faltschachteln händisch aufrichten, mit Riegeln befüllen und verschließen lautete die Aufgabe, bei der täglich viele Riegel den Weg in die Schachteln fanden – bis Florian Schmiedecke und Tim Scharringhausen beschlossen, den Prozess zu optimieren. Das kam nicht von ungefähr: Inspiration bot dem Betriebsleiter und dem Bereichsleiter Cerealien der Minderleinsmühle ein Besuch auf der Fachmesse interpack.

Als sie dort 2023 am Stand der Gerhard Schubert GmbH vorbeischauten, staunten sie nicht schlecht, als sie einen wendigen Roboter erblickten, der ungeordnete Produkte schnell von einem Band aufnahm und an anderer Stelle präzise ablegte. Was die Vertreter damals noch nicht wussten: Sie machten zu eben jenem Zeitpunkt Bekanntschaft mit dem KI-gestützten TOG-Pick-and-Place-Roboter von Schubert – eine Technologie, die bald darauf in Kalchreuth Riegel verpacken sollte. 

Gerade einmal 1,5 x 1,4 Meter misst die Fläche, auf der sich bei der Minderleinsmühle seit geraumer Zeit die Zukunft abspielt. Hier steht der TOG, den Techniker von Schubert zusammen mit dem Team des fränkischen Traditionsbetriebs installiert haben. Florian Schmiedecke, Tim Scharringhausen und Hannes Häusler, Bereichsleiter Cobot bei Schubert, steht die Freude ins Gesicht geschrieben, als sie der agilen Konstruktion im Herbst 2025 dabei zusehen, wie sie die den kompakten Mühlengenuss Riegel für Riegel von einem Aufnahmeband nimmt und passgenau in händisch aufgerichtete Faltschachteln ablegt. Eine Einlaufkette führt diese am Roboter vorbei.

Kartonieren ohne zeitraubende Formatwechsel

„Für uns bedeutet der TOG-Cobot einen Riesensprung, technologisch wie teambezogen“, beschreibt Scharringhausen den einarmigen Roboter, der seit Frühjahr 2024 erfolgreich seiner automatisierten Tätigkeit nachgeht. Auch die Kollegen, die die Schachteln aufrichten, wirken sichtlich begeistert, als sie dem TOG beim Befüllen zusehen. Von Wehmut keine Spur – schließlich nimmt ihnen der Roboter aus Crailsheim nun einiges ab.

Was war seit der interpack 2023 passiert? „Wir wollten seit geraumer Zeit teilautomatisieren“, beschreibt Schmiedecke die Ausgangslage. „Unser Ziel: Schnell und ohne zeitraubende Formatwechsel kartonieren, da geschultes Personal knapp war und die monotone Aufgabe die verfügbaren Kapazitäten unnötig band.“ Der Besuch auf der interpack erwies sich als glücklicher Zufall, der die Weichen für das Kommende stellte. Eine große Anlage kam für die Minderleinsmühle nicht infrage; der verfügbare Stellplatz reichte nur für eine kompakte Lösung. „Wir freuten uns, als wir eine ebensolche bei Schubert am Stand sahen. Bisher kannten wir nur die TLM-Maschinen. Das machte uns umso neugieriger und wir kamen umgehend mit den Cobot-Spezialisten von Schubert ins Gespräch“, erinnert sich Scharringhausen. Das Cobot-Team leistete ganze Arbeit, in Düsseldorf und später in Oberfranken: Die Technologie, vor der sich die kleine Gruppe 2025 versammelt hat, erwies sich relativ schnell als die passende Lösung für die Minderleinsmühle. Nicht nur, weil sie bis zu 70 Riegel pro Minute in insgesamt neun Faltschachteltypen mit verschiedenen Packschemata ablegt. Sie tut dies auch hochgradig autonom, da sie dank Künstlicher Intelligenz "sieht", was sie vor sich hat und eigenständig Entscheidungen trifft – „ein Ansatz, der angesichts der Druckbilder auf den Schlauchbeuteln wie gerufen kam“, hebt Schmiedecke hervor.

Mit KI zu mehr Leistung

Denn nicht jeder Riegel sieht gleich aus: Mehrere Geschmacksrichtungen bedeuten unterschiedlich bedruckte Schlauchbeutel, die es allesamt zu identifizieren und korrekt abzulegen gilt. Eine Aufgabe wie gemacht für ein System, das die Produkte dank entsprechendem Training erkennt und sicher greift. Mit Kamera und neuronalem Netz – einer Art Robotergehirn – kann der TOG vorher nie gesehene Objekte identifizieren, aufnehmen und ablegen. Anders als klassische Algorithmen, die für jedes Einzelprodukt eine Regel definieren, reicht bei der KI im Grunde eine Kategorie wie Riegel, Pouch oder Flasche. Schon arbeitet das System von sich aus – bei Bedarf rund um die Uhr, vor allem aber ohne aufwändiges Programmieren. Die fortschrittliche Technologie war mit ein Grund dafür, dass der TOG in nicht einmal vierundzwanzig Stunden loslegen konnte.

„Besonders präzise macht den Roboter eine weitere Besonderheit“, sagt Hannes Häusler und zeigt auf die Einlaufkette, die dem Roboter die Faltschachteln zuführt. „Er steuert sie vollautomatisch, damit er die Riegel millimetergenau ablegen kann.“ Der TOG-Cobot erkennt die auf dem Einlaufband ankommenden Faltschachteln, zieht jede bis zum Ende des Arbeitsbereichs und befüllt sie. So stellt er sicher, dass alle Riegel vollständig in der Schachtel liegen. Dadurch muss er die Einlaufkette nicht auf den sogenannten Case Count – die jeweilige Anzahl an Riegeln pro Schachtel – abstimmen. Und weil der Roboter die Schachteln dank Kamera eigenständig erkennt, kommt die Maschine ohne Kettenteilungen und Indexierung aus. So kann der Kunde schnell und kostengünstig zwischen unterschiedlichen Schachtelgrößen wechseln.

Effizienz trifft auf Präzision – ein Umstand, der in der Mühle für große Zufriedenheit sorgte. „Wir haben dank Schubert eine sehr ruhige, gleichmäßige und störungsfreie Produktion“, unterstreicht Schmiedecke, während er den Bewegungen des TOG folgt. Hannes Häusler, der neben ihm steht, pflichtet bei: „Uns forderte das Projekt heraus, weil wir auf kompakter Fläche eine komplexe Automatisierung realisieren sollten. Das gelang nicht zuletzt durch das Ablagetracking, also das Erkennen einer bewegten Schachtel, was der TOG mit nur einem neuronalen Netz einwandfrei beherrscht – für uns ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.“

Die kompakte Anlage, die in Kalchreuth so viel Begeisterung auslöst, war zudem recht schnell vor Ort: Zwischen Anlieferung und Produktionsstart vergingen lediglich zwei Tage. Weil der TOG in einer flexiblen Automationszelle steht und der Kunde die Installation bestens vorbereitet hatte, konnte der Roboter sich per Lkw auf den Weg nach Bayern machen und bald darauf die ersten Riegel picken. Am Tag der Inbetriebnahme konnte das Team deshalb bereits zur Spätschicht weiterproduzieren. Für Tim Scharringhausen und seine Kollegen eine gemeinsame Leistung, die beeindruckt: „Unsere Mitarbeiter bedienten den TOG ab Tag eins fehlerfrei. Mit Schubert hatten wir einen rundum starken Start, den ich so bei keiner anderen Anlage erlebt habe.


Diesen Artikel finden Sie in LT 5/2026 auf den Seiten 14 bis 15.

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