© Gerhard Schubert GmbH
Mit dem von Schubert entwickelten Twin-Pick-Verfahren lassen sich zwei Produkte gleichzeitig statt sukzessive greifen
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Die neue TLM-Generation berücksichtigt die gestiegenen Anforderungen der Branche an Leistung, Platzbedarf und Preis
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Roboter wie der F4 von Schubert picken dank KI-gestützter Bahnberechnung äußerst schnell und präzise.

NEUES KONZEPT FÜR DIE KÖNIGSKLASSE

Drei Jahre Entwicklung, intensive Praxistests und ein klares Ziel: Mit der neuen TLM-Generation zeigt die Gerhard Schubert GmbH auf der interpack 2026, wie sich Hochleistungsrobotik, Maschinenarchitektur und Energieeffizienz im Verpackungsmaschinenbau derzeit weiterentwickeln.

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Bereits auf der interpack 2023 hatte ein erster Prototyp für Gesprächsstoff gesorgt. Der damalige "Erlkönig" machte deutlich, dass Schubert an mehr als nur einer Modellpflege arbeitet. Viele Besucher ahnten schon damals, dass die Crailsheimer ihre TLM-Technologie grundlegend neu aufstellen würden – von der Steuerungsarchitektur bis zur Mechanik. Drei Jahre später steht das Ergebnis nun in Düsseldorf. Und die neue TLM-Generation unterscheidet sich deutlich vom damaligen Vorserienstand. Hintergrund ist auch ein verändertes Marktumfeld: höhere Kostensensibilität auf Kundenseite, wachsender Wettbewerbsdruck und gleichzeitig steigende Anforderungen an Leistung und Flexibilität.

„Die gestiegene Kostensensibilität vieler Kunden und der zunehmende Wettbewerbsdruck aus Asien forderten uns heraus“, erläutert Manuel Schuster, Leiter Neuentwicklung Baugruppen bei Gerhard Schubert. „Umso entschlossener wollten wir mit der nächsten TLM eine Lösung auf den Markt bringen, die unsere Innovationsstärke als Technologieführer unterstreicht, aber auch die hohen Anforderungen an Leistung, Platzbedarf und Preis berücksichtigt.“

Neue TLM konsequent weiterentwickelt

Besonders ins Auge fällt das neue Gestell der Maschine. Die leicht geschwungene Konstruktion ist dabei keineswegs nur ein gestalterisches Element. Vielmehr bildet sie die Grundlage dafür, dass die neuen F4-Roboter ihre Dynamik überhaupt ausspielen können.

„Die bisher verwendeten Gestelle schwangen zu stark, um die Pick-and-Place-Roboter präzise bei hohen Geschwindigkeiten einsetzen zu können“, erklärt Volker Haaf, Leiter Entwicklung Elektronik und Software bei Schubert. Gemeinsam mit Schubert Motion in Dresden entstand deshalb eine neue Gestellvariante mit deutlich höherer Steifigkeit. Ziel war es, die mechanischen Voraussetzungen für höhere Robotergeschwindigkeiten und KI-gestützte Bahnberechnungen zu schaffen.

Gleichzeitig wurde die Maschine konstruktiv weiterentwickelt. Trotz unverändertem Eigengewicht konnte Schubert die neue TLM gezielt kostenoptimieren. Zudem lässt sich bei gleichbleibenden Außenabmessungen mehr Prozess- und Automationstechnik integrieren. Dadurch steigt die Funktionsdichte der Anlage deutlich. „Mehr Technik auf gleichem Raum erweitert perspektivisch die Einsatzmöglichkeiten für unsere Kunden und macht die gesamte Anlage noch effizienter. Mit der neuen TLM dringen wir gezielt in neue Leistungsbereiche vor“, so Haaf.

Höhere Pickerleistung im Live-Betrieb

Wie weit die Entwicklung inzwischen ist, zeigte Schubert direkt am Messestand. Dort verpackte die neue TLM-Generation gestapelte runde Kekse in Schlauchbeutel. Fünf F4-Aggregate arbeiteten dabei in drei Zellen mit bis zu 800 Keksen beziehungsweise 266 Flowpacks pro Minute bei einer Foliengeschwindigkeit von 30 Metern pro Minute.

Zum Einsatz kam außerdem das von Schubert entwickelte Twin-Pick-Verfahren. Dabei greifen die Roboter zwei Produkte gleichzeitig statt nacheinander. „Ein weiterer wichtiger Stellhebel auf dem Weg zu mehr Leistung“, betont Manuel Schuster. Auch die Robotik selbst wurde weiterentwickelt. „So können wir die Leistung jedes Roboterarms um 20 Prozent steigern, ohne die Mechanik zu belasten – und reduzieren zudem Vibrationen“, sagt Haaf. Grundlage dafür ist eine KI-gestützte Bahnberechnung, die bei jedem Pick neu erfolgt.

Energieeffizienz und EtherCAT im Fokus

Parallel rückt Schubert die Energieeffizienz stärker in den Fokus. Neue selbstoptimierende Vakuumpumpen sollen den Druckluftverbrauch um rund 30 Prozent reduzieren. „Vakuumtechnik macht in einer Pickerlinie nahezu die Hälfte des gesamten Energiebedarfs aus. Entsprechend groß ist der Einfluss, den die neuen Pumpen auf die Gesamtenergieeffizienz der Anlage haben“, so Schuster.

Auch in der Steuerung geht Schubert neue Wege. Die Feldkommunikation wird von Sercos-III auf EtherCAT umgestellt – ein Schritt, der insbesondere für dynamische Motion- und Robotik-Anwendungen relevant ist. Gleichzeitig bleibt das bekannte Bedienkonzept erhalten. Neu sind allerdings abnehmbare Tablets, über die Bediener flexibel auf Linienfunktionen zugreifen können. Gerade bei größeren Anlagen soll dies Bedienung, Wartung und Updates vereinfachen.

Seit der interpack sind Pickerlinien und Flowpacker der neuen Generation verfügbar. Bis 2028 möchte Schubert das gesamte TLM-Portfolio auf den neuen Ansatz umstellen.

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